15. Januar 2012
Im November letzten Jahres konnte das amerikanische FBI einen großen Ermittlungserfolg verzeichnen. Im Rahmen der multinational koordinierten Operation „Ghost Click“ gelang es ein Bot-Netz mit ca. vier Millionen von zusammengeräuberten Rechnern verteilt auf ca. 100 Ländern durch Einnahme der C&C-Server in New York stillzulegen.
Über einen Trojaner namens „DNS-Changer“ wurden die Rückmeldungen aus DNS-Abfragen auf den betroffenen Rechnern so manipuliert, dass sie zu den C&C-Servern des Botnetzes statt auf reguläre DNS-Server führten. Im Code von DNS-Changer fand man u.a. eine IP-Adresse, die zum Netzwerk des estnischen Providers Esthost gehörte. Esthost ist ein Tochterunternehmen von Rove Digital. Unter den vom FBI im November verhafteten Personen befand sich auch eine Führungskraft von Rove Digital. Laut der IT-Sicherheitsfirma Trend Micro sei bereits 2008 bekannt gewesen, dass das Unternehmen diverse kriminelle Kunden habe. Man habe diese Informationen aber vor der Öffentlichkeit zurückgehalten, um die Arbeit der Ermittlungsbehörden nicht zu stören.
Die gut Hundert vom FBI in New York in einem Rechenzentrum sichergestellten Server wurden zunächst weiter betrieben, auch wenn keine Botnetz-Aktivitäten mehr darüber abgewickelt werden. Doch am 8. März sollen die noch verbliebenen Botnetz-Server endgültig vom Netz gehen. Damit den infizierten Bots dadurch mangels korrekter DNS-Serververbindung nicht dasselbe wiederfährt, wäre es für deren Besitzer inzwischen an der Zeit, zu klären ob sie mit „DNS-Changer“ infizierte Rechner haben oder nicht.
Daher hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammen mit der Telekom unter www.dns-ok.de eine Schnelltest-Website eingerichtet, mit der man prüfen kann, ob der eigene Rechner befallen ist oder nicht. Dabei wird keine Software gestartet oder heruntergeladen. Die Seite überprüft nur, ob der eigene Rechner über einen der DNS-Server des Bot-Netzes geleitet wird oder nicht.
Ist das aber der Fall werden die Dinge schwierig. Zwar können viele Antivirenprogramme wie z.B. der kostenlose DE-Cleaner des Anti-Botnet-Beratungszentrums den DNS-Changer deaktivieren. Da sich dieser Trojaner jedoch per Rootkit-Funktionen sehr tief im befallenen System verankert, kann er oftmals nicht mehr rückstandsfrei entsorgt werden. Die verbleibenden Schadcodereste stellen jedoch ein Sicherheitsrisiko dar, das man nur noch durch ein komplettes Neuinstallieren des betroffenen Systems wieder los wird.
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Verfasst von Guido Strunck
23. Oktober 2011
Der Grad an relativer Sicherheit bzgl. Gefahren durch Schadsoftware auf dem eigenen PC hängt stark damit zusammen, in wie weit man dafür sorgt, dass das verwendete Betriebssystem sowie die installierte Software jeweils auf dem aktuellsten Stand ist.
Hersteller verbreiteter Softwareprodukte werden laufend auf Schwachstellen, Fehler u.ä. ihrer Programme hingewiesen. Manche davon so gravierend, dass rasche Updates ausgeliefert werden müssen.
Am besten stehen da die Nutzer von Linux da. Linux bringt eine Paketverwaltung mit, die ohne weitere Aktivität des Anwenders Buch darüber führt, ob alle installierten Pakete aktuell sind, ob Updates vorliegen und eingespielt werden müssen und ob das Austauschen einzelner Komponenten währen eines Aktualisierungslaufs andere Programme in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt (Abhängigkeitsauflösung).
Das fehlt bei Windows. Windows kann zwar so konfiguriert werden, dass es die regelmäßig veröffentlichten Updates für Microsoft-Produkte selbsttätig findet, herunterlädt und installiert – für die diversen sonstigen auf dem Rechner installierten Anwendungen leistet es das jedoch nicht. Darum hätte sich der Nutzer selbst zu kümmern (bzw. den hoffentlich vorhandenen und aktivierten Auto-Update-Funktionen seiner Programme zu vertrauen). Abhängigkeitsauflösungen und Kompatibilitätstest auf Verträglichkeit einzelner Updates mit anderen, bereits vorhandenen Programmen gibt es erst recht nicht.
Doch gerade aus der Sicherheitsperspektive betrachtet, ist es sehr wichtig, dass veraltete oder als mit bekannten Schwachstellen belastete Software zügig ersetzt wird. Für die Programmierer von Schadsoftware sind speziell Browser und verbreitete Anzeigeprogramme für Mediendateien ein beliebtes Angriffsziel. Sie sind auf fast allen Rechnern vorhanden, arbeiten überall in gleicher Weise und können so Schadcode den Zugriff auf den vollen Rechner eröffnen. Ein Großteil aller entdeckten Schwachstellen entfällt dabei auf nur wenige, dafür aber sehr weit verbreitete Softwareprodukte.
In Unternehmen mit zahlreichen windowsbasierten Arbeitsplatzrechnern werden daher kommerzielle Softwareverteil- und -paketiersysteme eingesetzt und die genutzten Softwarebestände im Rahmen von geregelten Release- & Rollout-Management-Prozessen verwaltet und aktuell gehalten.
Für Privatanwender bietet die Firma Secunia mit dem kostenlosem Personal Software Inspector (PSI) ein meiner Ansicht nach sehr nützliches Programm zum Download an. Der PSI inventarisiert nach dem ersten Start die auf dem PC vorhandenen Programme und gleich deren Versionsstände mit seiner Versionsdatenbank ab. Auf diese Weise entdeckt er schon rasch veraltete Programme, mehrere parallel installierte Versionen und andere potentielle Sicherheitsdefizite. Für die meisten bietet er auch gleich Links an, um Updates für die betroffenen Programme von den Webseiten der jeweiligen Anbieter herunterzuladen. Manche kann PSI sogar selbsttätig finden und einspielen. Auf diese Weise kann das im Hintergrund laufende Programm dazu genutzt werden, den Rechner automatisch mit Updates der gängigsten Programme versorgen zu lassen, sobald diese veröffentlicht werden. Ein manuelles Nachführen ist dann nicht mehr notwendig.
Leider bringt nicht jedes obsolet gewordene Programm einen eigenen Uninstaller mit. Und die Softwareverwaltung von Windows ist beim „Aufräumen“ nicht immer allzu gründlich. Oft bleiben auch nach einer Deinstallation noch Dateien, Verzeichnisse und Registrierdateneinträge übrig. Das ist zwar im Zeitalter der Terabyte-Festplatten bzgl. des belegten Plattenspeichers kein echtes Platzproblem. Allerdings kann jedes auf dem Rechner vorhandenes Stück Software ein potenzielles Einfallstor für Angriffe per Schadcode werden.
Wer die PC-Hygiene daher sorgfältiger betreiben will, kann dazu auf die ebenfalls kostenlosen Tool Revo Uninstaller (kostenlose Basisversion, deinstalliert Programme) und CCleaner (findet und beseitigt Datenmüll) einsetzen. Für Schadsoftware wird es auf einem solchermaßen aktuell gehaltenen Rechner deutlich schwieriger, sich festzusetzen.
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Verfasst von Guido Strunck
11. September 2011
Fast jeder kennt sie – die „Gefällt mir“-Buttons auf immer mehr Webseiten, mit denen man seinen Facebook-Kontakten ein Fundstück beim Surfen signalisieren kann. Wer seine Facebook-Kontakte entsprechend auswählt, bekommt dadurch einen interessensgerecht vorsortieren Nachrichtenfeed generiert und kann seinerseits anderen signalisieren, was ihn interessiert.
Wie genau funktioniert das?
Sobald man eine Website aufruft, die Facebook-Buttons enthält, werden Daten wie z.B. IP-Adresse, Referer und statistische Informationen an Facebook übermittelt. Ist man Facebook-Nutzer und am System angemeldet (dazu muss man es nicht mal offen haben) kann Facebook so recht genau mitverfolgen wo sich Facebook-Nutzer im Internet bewegen und was sie interessiert. Mit der Zeit kommen so relativ präzise und über den Inhalt des eigenen Profils weit hinausgehende Nutzerprofile zusammen. Dies lassen sich in aggregierter Form zum Zwecke von Reichweitenanalysen gut zu Geld machen.
Aber auch ohne eigenes Facebook-Profil kann die Firma ohne Einwilligung der Nutzer und ohne dass diese einen „Gefällt mir“-Button angeklickt hätten, unbemerkt Daten speichern und so beträchtliche Vorratsdatenbanken aufbauen.
Da es sich dabei zum Teil um personenbezogene bzw. personenbeziehbare Daten i.S.d. Bundesdatenschutzgesetzes handelt, wäre hierfür eine Einwilligung des Betroffenen einzuholen. Dabei wäre den Nutzern rechtsverbindlich mitzuteilen, worin sie einwilligen und zu welchen abschließend aufgeführten Zwecken ihre Daten verwendet werden Das fordern Datenschützer schon länger von Facebook. Doch die Firma, deren europäischer Hauptsitz in Dublin liegt, hatte diese Forderungen bislang ignoriert, da sie rechtlich von Deutschland aus nur schwer zu greifen ist. Auf diese Weise erzielt sie Konkurrenten mit Sitz in Deutschland gegenüber aus Sicht von Datenschützern unlautere Wettbewerbsvorteile. So hat Facebook allein im ersten Halbjahr 2011 weltweit etwa eine halbe Milliarde Euro Gewinn erzielt.
Das Kieler Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) beschloss daher das Problem vom anderen Ende her anzugehen und statt Facebook die in Deutschland rechtlich greifbareren Betreiber von .de-Websites, die Facebook-Buttons einbinden, rechtlich unter Druck zu setzen. Indirekt sollte so auch Facebook selber zum Handeln bewegt werden, da ansonsten vermehrt Websites angesichts möglicher fünfstelliger Geldbußen für Verstöße gegen das Datenschutzrecht die Buttons aus dem Netz nehmen und Facebooks Datenzuflüsse abklemmen würden. Eine umstrittene aber wirksame Vorgehensweise, da das Problem erst auf diesem Wege überhaupt einer breiteren Netzöffentlichkeit bewusst wurde. Bislang wurde es eher in der datenschutzrechtlichen Fachliteratur diskutiert.
Kürzlich schlugen Programmierer von Heise.de eine technische Lösung des Problems vor: den +2-Button. Dabei erscheinen Buttons sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter zunächst inaktiv auf der Website und übermitteln keine Daten. Erst wenn der Nutzer sie anklickt werden sie aktiviert (erkennbar am Farbwechsel des Buttons) und ein zweiter Klick startet dann die damit verbundene Funktion. Doch auch das ist keine Einwilligung i.S.d. § 4a BDSG, da die rechtsverbindliche Mitteilung über Art, Umfang und Zweck der Datenübermittlung fehlt und auch unklar bleibt, wohin Daten übermittelt werden (z.B. auf Facebook-Server in den USA). Da die Entwickler den Quellcode freigaben, wurde die Idee rasch aufgegriffen und z.B. als Plugin für verbreitete Content-Management-Systeme wie WordPress umgesetzt.
Tatsächlich ist das Thema derzeit noch ungeklärt. Es gilt daher, die Entwicklung bei den technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz solcher „aktiven Codeelemente“ in Webauftritten speziell von Unternehmen im Blick zu behalten und sich ergebenden Compliance-Risiken konsequent entgegenzutreten.
Generell sollten sich Betreiber von Webauftritten zudem vergegenwärtigen, dass jedes Element, mit dem sie Code anderer Websites oder Dienste einbinden, ein potentielles Sicherheitsrisiko darstellt, Schließlich wissen sie nicht, was da im Einzelfall auf die Rechner ihrer Besucher und Kunden übertragen wird. Die Mehrzahl aller webbasierten Schadcodeverteilmechanismen macht sich solche Lücken zunutze und infiziert so ahnungslose Besucher von gut frequentierten Websites mit Schadsoftware.
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Verfasst von Guido Strunck
22. Mai 2011
Smartphones mit dem zunehmend beliebter werdenden Android-Betriebssystem von Google erweisen sich im täglichen Gebraucht als etwas zu mitteilsam, wie deutsche Sicherheitsexperten kürzlich bekanntgaben. Sie melden sich automatisch und ohne Zutun ihres Nutzers in freien WLAN-Netzen an, in denen sie bereits einmal angemeldet waren, sobald das Gerät in die Funkreichweite des entsprechenden WLAN-Routers kommt. Steht die Verbindung, so wird ebenso automatisch eine Synchronisierung mit Google-Diensten wie Mail, Calender, Contacts, oder Picasa gestartet, wobei Authentifizierungsdaten (authToken) zum Teil sogar unverschlüsselt über eine einfache http-Verbindung gesendet werden. Diese Authentifizierungsdaten lassen sich am WLAN-Router mitschneiden (z.B. per Sniffer-Software) und können dann im Einzelfall für bis zu 14 Tage dazu benutzt werden, mit der Identität des Nutzers in dessen Google-Konten zu stöbern.
Auch Apps anderer Anbieter könnten von dem Problem betroffen sein, da nicht nur Google-eigene Apps dieses Anmeldesystem verwenden. So z.B. die Kalendersynchronisation des beliebten Mailprogramms Thunderbird der Mozilla Foundation.
„Der Informationsklau funktioniert besonders gut, wenn der Name des Netzwerks einem bekannten Anbieter ähnelt, also etwa T-Online“, so die Medieninformatiker Bastian Könings, Jens Nickels und Florian Schaub. Dazu reicht es nach Ansicht von Königs, die gut dokumentierten Google-Schnittstellen für externe Entwickler zu benutzen.
Dass mobile Geräte und beliebte Apps sensible Daten unverschlüsselt in die Welt hinausblasen, wird in Expertenkreisen bereits seit einiger Zeit zunehmend kritisch diskutiert.
Kurzfristig raten Fachleute Android-Nutzern zu folgenden Selbsthilfemaßnahmen:
• Zügig auf die aktuellste Version 2.3.4. von Android updaten, in der das Problem so nicht mehr besteht.
• Die automatische Datensynchronisation in den Einstellungen deaktivieren.
• Die Liste bereits konnektierter WLAN-Netze im Handy regelmäßig löschen (nur auf der Liste befindliche Netze werden automatisch konnektiert).
• Offene WLAN-Netze möglichst meiden, wenn datensensible Dienste und Apps genutzt werden.
Zumindest der erste Punkt der Empfehlungen ist für zahlreiche Smartphone-Nutzer jedoch gar nicht so leicht umsetzbar. Zwar ist Android ein (weitgehend) offenes System. Jedoch haben viele Smartphone-Hersteller ihre Geräte mit individuellen Oberflächen und Zusatzprogrammierungen „gebrandet“, so dass sie Upgrades des zugrunde liegenden Android-Betriebssystems nur zögerlich, falls überhaupt ausrollen. So ist derzeit ein ganzer Zoo von unterschiedlichen Android-Versionen im Markt unterwegs.
Doch es sind nicht nur Android-Handys betroffen. Grundsätzlich funktioniert die Methode, in offenen WLANs Daten mitzuschneiden und zweckzuentfremden auch bei anderen Mobilgeräten wie etwa Laptops, Navis oder Tablets, sofern diese Daten unverschlüsselt in den Äther blasen.
Inzwischen plant Google kurzfristig ein außerplanmäßiges Sicherheitsupdate an alle Android-Geräte zu verteilen und dabei nicht den Weg über die einzelnen Handyhersteller und Distributoren zu gehen. Der Patch soll die Kommunikation zwischen Gerät, WLAN-Router und mobilen Diensten verschlüsselt über das https-Protokoll abwickeln. Das allein ist jedoch nur die halbe Lösung, solange solche Kommunikationen versteckt im Hintergrund und ohne Kenntnis und Zustimmung des Benutzers ablaufen.
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Verfasst von Guido Strunck
8. Mai 2011
Die letzten zwei Wochen waren wieder sehr „gehaltreich“ für Leute, die sich mit Fragen der Informationssicherheit beschäftigen.
Zunächst entdeckten zwei Softwareentwickler, dass Apples Flaggschiffe iPad und iPhone vom Benutzer unbemerkt nahezu ständig Positionsdaten in einer lokalen Datenbank auf dem Gerät mitloggen und diese auch auf einen mit dem Gerät synchronisierten PC sowie über den Umweg von WLAN-Positionsabfragen auch auf Apple-Server hochladen. Und zwar auch dann, wenn der Benutzer entsprechende Funktionen in den Geräten deaktiviert hat. So entsteht eine Datenbank, welche zwar kein vollständiges Bewegungsprofil des Anwenders, jedoch die Koordinaten von WLAN-Routern und Mobilfunkzellen in seiner Nähe zusammen mit einem Zeitstempel enthält. Sie entwickelten daraufhin eine App namens iPhone Tracker, mit der sich diese Daten auslesen und auf einer Karte grafisch darstellen lassen.
Parallel kämpft Sony derzeit mit wiederholten Hackerangriffen und Datendiebstählen. Zunächst drangen Hacker in die Datenbanken des Playstation-Networks (PSN) und des Musik- und Filmedienstes Qriocity ein und konnten Datensätze von etwa 77 Millionen Nutzerkonten kopieren. Inhaltlich können diese Daten am Schwarzmarkt verkauft und später für gezieltes Spear-Phishing oder Kreditkartenbetrug verwendet werden. Einige Tage später wurde bekannt, dass auch 25 Millionen Nutzerdatensätze des kommerziellen Spiele-Netzwerks Sony Online Entertainment (SOE) abhanden kamen. Wohl bei demselben Raubzug. Schon vor Wochen hatte Sony aus der Szene Hinweise auf bestehende Sicherheitslücken erhalten. Der Konzern hatte diese jedoch ignoriert bzw. war sogar gerichtlich gegen einen Hacker und Homebrew-Programmierer vorgegangen, der es geschafft hatte, sicherheitskritische Teile seiner eigenen Playstation-3-Spielekonsole zu hacken und der dies öffentlich gemacht hatte. Statt den Mann einzustellen und zur weiteren Verbesserung der betreffenden Systemkomponenten einzusetzen, hatte Sony eine einstweilige Verfügung erwirkt, um ihm das Verbreiten seiner Erkenntnisse zu erschweren. Das haben andere Hackergruppen dem Konzern wohl nachhaltig verübelt.
Dann wurde bekannt, dass TomTom, ein Anbieter von Navigationssystemen, gespeicherte Verkehrsdaten der Nutzer an die niederländische Regierung verkauft hatte. So wertet Tomtoms Verkehrsinformationsdienst HD Traffic beispielsweise anonymisierte Bewegungsprofile von Navigationsgeräten mit Internetanbindung sowie von Smartphones mit Tomtom-App aus, um Staus möglichst früh zu erkennen und in die Navigation miteinzubeziehen. Dabei werden auch Daten wie Fahrgeschwindigkeitswerte übermittelt bzw. können durch Zeit/Ort-Differenzabgleich errechnet werden. Mit diesen Daten lassen sich Stellen im Straßennetz finden, wo besonders häufig gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen verstoßen wird und wo es daher lukrativ sein kann, „Blitzer“ aufzustellen. Obwohl aus Tomtoms Sicht legal und in verallgemeinerter Form sogar Bestandteil der Nutzungsbedingungen, zeigt diese „Zweitverwertung“ von Nutzerdaten doch, dass Daten auch ganz ohne Zutun von Hackern in falsche Hände gelangen können um dann den Nutzern zu schaden. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass Tomtom auch mit der australischen Regierung über solche „Datenzweitverwertungen“ verhandelt. Aus dem ersten Fehler wurde wohl nichts gelernt.
Vor kurzem musste Amazons Cloud-Service EC2 seinen Kunden gegenüber eingestehen, dass es nach einem mehrstündigen Systemausfall zu einem größeren, nicht mehr wiederherstellbaren Datenverlust gekommen ist. Der Dienst, der von Amazon mit dem Motto „Die Cloud, auf die Sie sich verlassen können“ beworben wird, hatte beim Wiederanlaufen mit nicht mehr behebbaren Inkonsistenzen in seinen Datensicherungen zu kämpfen. Wohl dem, der Alternativen in der Hinterhand hatte.
Manche Unternehmen sparen bei der IT-Sicherheit und werden daher Opfer von Hackerattacken, da es leicht ist, bei ihnen Daten abzugreifen. Andere hingegen praktizieren quasi-militärische Hochsicherheitsstandards – und werden ebenfalls Opfer von Hackern, die sich technologisch herausgefordert fühlen. Wieder andere versuchen wie Sony gegen kleinere Ärgernisse aus der Hackerszene gerichtlich vorzugehen. Mit der Konsequenz, dass sich daraus sehr große und rechtlich nicht mehr in den Griff zu bekommende Probleme entwickeln können. Und auch dort wo es aus der Perspektive der Informationssicherheit zu keinen nennenswerten Vorfällen kam, machen sich Probleme mit der Softwarequalität bemerkbar. So gab z.B. Apple bekannt, dass das Geodatenlogging im iPhone letztlich ein Programmierfehler gewesen sein soll. Auch wenn Apple bereits 2009 für etwas von der Idee her sehr Ähnliches ein US-Patent beantragt hat. Patentierte Fehler?
Was ist nun die gemeinsame Konsequenz all dieser Dinge?
Unternehmen nutzen (zu) viele Daten und betreiben (zu) datenintensive Geschäftsmodelle. Wer aber viele Daten nutzt, muss auch umfangreiche, teure und wegen ihrer Komplexität fehleranfällige Maßnahmen zu ihrer Absicherung mit einplanen. Und wird oftmals gleich vom Gesetzgeber zu entsprechender Vorsorge verpflichtet.
Daten haben in Unternehmen also nicht nur den Charakter eines wertvollen Besitzes oder eines notwendigen Produktionsfaktors. Sie werden auch zum Risiko und zum Kostenfaktor. Daher sollten sie nach Möglichkeit sehr sparsam verwendet werden. Geschäftsprozesse sollten den Prinzipien der Datensparsamkeit und Datenvermeidung Rechnung tragen, wie es das Bundesdatenschutzgesetz im §3a für personenbezogene Daten ohnehin fordert.
Es ist ein Stück weit ähnlich wie mit produktionsbezogenem Problemmüll. Er ist oft in hohem Maße giftig oder anderweitig schädlich, so dass er auf spezielle Art und Weise gesichert und entsorgt werden muss. Mehr Müll bedeutet dann höhere Kosten. Vermeidet man Müll, indem man im Produktionsprozess sparsamer und effizienter mit Rohstoffen umgeht, senkt das unmittelbar die Entsorgungskosten sowie die Prozesskosten für die Behandlung und Lagerung der giftigen oder strahlenden Abfälle.
Ähnlich verhält es sich mit den Datenvolumina, der Kritikalität von Daten sowie den Kosten zu ihrer informationstechnischen Absicherung. Auch hier bedeutet ein Weniger an Daten auch ein Weniger an Kosten. Gleichzeitig gehen Unternehmen, die schlampig mit Daten umgehen oder diese sehr einseitig zu ihren Gunsten nutzen, ähnliche Risiken für ihr Ansehen in der Öffentlichkeit ein, wie Firmen, die hochgiftige Abfälle einfach in den Fluss kippen oder auf dem Meer verklappen lassen.
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Verfasst von Guido Strunck
27. März 2011
Gestern fand in den Räumen der Fakultät für Informatik der FH Augsburg der 10. Linux-Infotag, veranstaltet vom Verein der Linux-User Augsburg e.V. (LUGA) statt. Zum Teil parallel in mehreren Räumen wurden unter dem diesjährigen Motto „Leben mit Pinguinen – Freie Software im Alltag“ Vorträge rund um das Thema Linux angeboten. Dabei reichte das Themenspektrum von Angeboten für Einsteiger über solche für Entwickler oder Systemadministratoren bis hin zum Blick auf aktuelle Entwicklungen rund um den Linux-Kernel. Ich richtete meinen Fokus dieses Jahr auf Vortragsangebote rund um die Themen Projektmanagement, IT-Sicherheit und freie Software im Allgemeinen.
Eröffnet wurde das mehrteilige Vortragsprogramm von Thomas Gleixner mit seiner Keynote zum Thema „Management und Open Source – zwei Welten?“. Darin schilderte Gleixner, der selbst Unternehmer sowie aktiver Linux Kernel-Maintainer ist, das bestehende Konfliktfeld zwischen freier quelloffener Software und sog. „geistigem Eigentum“ (ein Kampfbegriff der Content-Lobby, den viele Manager unkritisch übernommen haben). Gerade unsichere und qualitativ minderwertige Software hat ihren Ursprung häufig darin, dass Firmen versuchen, das Rad zum x-ten Mal neu zu erfinden und eine selbst entwickelte proprietäre Lösung einen anerkannten Standard vorziehen. Da aber keine Firma allein dauerhaft Standards etablieren kann und Kunden sich nur ungern von einzelnen Unternehmen abhängig machen, werden so volkswirtschaftlich Ressourcen in beträchtlichem Umfang verschwendet, die durch unternehmens- und bereichsübergreifende Kollaboration und Kooperation effektiver nutzbar wären. Inzwischen stellen aber immer mehr Unternehmen (z.B. Chiphersteller und Smartphone-Produzenten) fest, dass quelloffene Systeme wie Linux einfacher an neue Gegebenheiten anzupassen sind, Versionswirrwar und Diskontinuitäten bei Produktkomponenten vermieden werden, Lizenzpolitiken anderer Unternehmen nicht mit eingeplant werden müssen. Trotzdem gibt es noch eine weitverbreitete relative Unkenntnis verbunden mit gezielt gestreuten Desinformationen in den Köpfen von Entscheidern in der Wirtschaft, wie Gleixner ausführte. Daneben empfahl er, sich mal die Enduser-Licence-Agreements (EULAs) genauer anzusehen, die kommerziellen Softwareprodukten beiliegen. Das dort enthaltene „Kleingedruckte“ schränkt die Nutzbarkeit einer an sich funktionsfähigen Software rechtlich oft derart ein, dass sie unbrauchbar wird – ein klassischer Fall von „Produktion vom Fließband in den Müllcontainer“. Daneben betonte Gleixner, wie wichtig es sei, dass Basistechnologien wie Betriebssysteme, Netzwerkprotokolle, Datenbanken aber auch Informationen frei und losgelöst von den Interessen Einzelner allgemein und frei verfügbar sind, so dass jeder darauf aufbauend Geschäftsmodelle entwickeln kann, ohne dass ihm andere dreinreden oder ihm durch das Ergaunern leistungsloses „Schutzgelder“ schädigen können (Stichworte Softwarepatente und Patenttrolle).
Oliver Rath gab einen Überblick über Projektmanagement im Allgemeinen. Und dessen Unterstützung mit linuxbasierter Software im Speziellen. Und hier zeigte sich auch rasch das Kernproblem: Der Goldstandard im Bereich werkzeugunterstützen Projektmanagements ist Microsoft Project. Auch wenn die große Mehrheit gerade mittelständischer Projektleiter immer noch per Tabellenkalkulation plant. Etwas was man mit Open Office Calc und Draw ebenso hinbekommt wie mit Excel & co. Etliche Linux-Tools wie z.B. OpenProj, TaskJuggler oder planner können jeweils ein oder zwei Dinge besonders gut, andere aber gar nicht. Es fehlt nach wie vor ein vollwertiges MS-Project-Äquivalent hoher Produktreife, auch wenn OpenProj ein guter erster Versuch war (bis die Entwicklung 2008 eingestellt wurde). Rath trug seinen Vortrag interessant und witzig zugleich vor und wies dabei auf Dinge wie die „größte Lüge der IT“ (Ich mach mal schnell), „die größte Lüge im Projektmanagement“ (Ich bin zu 90% fertig) oder die Probleme der letzten 10% eines Arbeitspaketes hin (in denen sich oftmals die gravierendsten Probleme verbergen).
Zu diesem Themenbereich rechne ich auch die Vorträge von Ulrich Habel (Dokumentation in Open-Source-Projekten) und Sebastian Harl (Verteilte Versionskontrolle mit Git). Denn es war letztlich die OSS-Community, die als Erste global verteilte Entwicklung komplexer Software betrieb. Lange bevor Offshoring und die spezifischen Probleme mit den kulturellen Differenzen zwischen indischen Programmierern und mitteleuropäischen IT-Architekten wirklich zum Branchenthema der international arbeitenden IT wurden. Hierbei sind Systeme zur gemeinschaftlichen Codeverwaltung, Versionierung, zur projektbegleitenden Dokumentation und für Defect-Tracking und Bug-Reporting nahezu unentbehrlich, um räumlich und zeitlich verteilte Zusammenarbeit an einer gemeinsamen Code- und Projektbasis zu ermöglichen. Beispielhaft wären hier Systeme wie Mantis (Bugtracking), GIT (Versionierung) oder die Nutzung von Wikis (Projektdokumentation) zu nennen.
Ingo Blechschmidt gab eine Kurzeinführung in elementare Konzepte der Kryptographie wie kryptographische Primitive (elementare Operationen eigentlich aller Kryptoverfahren), Challenge-Response-Authentifizierung, Zero-Knowledge-Beweise oder die Sicherheitsmechanismen bei „gesalzenen“ Passwörtern. Obwohl das tiefere Verständnis kryptografischer Konzepte eine intensivere Beschäftigung mit deren mathematischen Hintergründen sowie Überlegungen aus den Bereichen Algorithmik und theoretischer Informatik erfordern, machte sein Vortrag Lust auf mehr.
Wer jetzt auf die Vorträge neugierig geworden ist, wird in den nächsten Tagen die meisten Folien bei LUGA in der Programmübersicht als PDF-Download vorfinden.
Parallel zum Vortragsprogramm boten zahlreiche Linux-affine Organisationen Infostände mit aktuellen Projekten an. Und es dürften wohl stapelweise Live-CDs diverser Linux-Distributionen verteilt worden sein. Alles in allem eine sehr interessante Veranstaltung mit vollem Programm, die wohl bei mehreren Hundert Besuchen Anklang gefunden hat.
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Verfasst von Guido Strunck
14. März 2011
Es gibt viele Möglichkeiten, mit Schadsoftware Geld zu verdienen. Eine, die eher auf Trickbetrug, als auf Diebstahl von Daten oder Rechnerkapazitäten hinausläuft, ist sog. „Scareware“. Das ist Software, die den Nutzer verängstigen und verwirren soll, um ihn so zu Handlungen zu verleiten, von denen der Autor profitiert. Wenn man will also automatisiertes Social Engineering.
Das Prinzip ist einfach: Dem surfenden PC-Nutzer wird beispielsweise eine kostenlose Analyse seines Rechners auf Viren angeboten. Kostenlose und gute Virenkiller gibt es ja von mehreren Anbietern. Dazu muss er lediglich ein Programm aus dem Internet herunterladen, installieren und starten. Tut er dieses, so generiert das Programm rasch und mit zunehmender Häufigkeit und Penetranz Warnmeldungen, dass dieser oder jener Virus im System sei und das man möglichst rasch eine kostenpflichtige Sicherheitslösung kaufen, runterladen und einspielen möge. Bis hin zur Unbenutzbarkeit des Rechners, weil fast jeder Vorgang mit diesen Warnmeldungen unterbrochen wird. Folgt man den Hinweisen und lädt das zu bezahlende Update herunter, ist für einige Zeit Ruhe bis es erneut losgeht.
Nur: Es war zu keiner Zeit echte Schadsoftware auf dem Rechner. Dem Nutzer wurde lediglich vorgegaukelt, er hätte ein Problem. Das Problem kam erst mit dieser Art von Trickbetrug auf seine Festplatte. Das Prinzip der Scareware setzt auf den eher unmündigen, arglosen und neugierigen Nutzer, der viel ausprobiert und die oft eher kryptischen Meldungen inhaltlich nicht hinterfragt. Im schlimmsten Fall hat der Nutzer durch das Installieren der Scareware auf seinem Rechner erst vormals noch nicht vorhandene Sicherheitslücken aufgerissen. Schließlich läuft das Programm in aller Regel mit den (meist recht weitreichenden) Rechten des Benutzers und hat vollen Zugriff auf seine Daten.
Das Prinzip ist nicht wirklich neu. Heise Security berichtete bereits 2008 darüber.
Linux-Anwender sind hier, wie oftmals bei Schadsoftware außen vor, da sich deren Entwickler meist auf das deutlich verbreitetere Windows-Ökosystem konzentrieren.
Ein typischer Vertreter dieser Gattung von Nervsoftware ist „System Tool 2011“, eine Art Trojaner, der sogar als Drive-by-Download allein durch ungeschütztes Surfen im Internet seinen Weg auf die lokale Festplatte finden kann. Der aber auch von interessierten Nutzern oftmals gezielt runtergeladen und installiert wird.
Bis zu 100 Infektionen meldet das Tool bereits nach dem ersten Prüflauf. Allerdings existiert davon keine tatsächlich. Dafür wird man von System Tool rasch zum Bezahl-Dialog geführt, um die fiktiven Schädlinge sowie sein reales Geld loszuwerden. Mit ca. 50 $ für eine 24-Monatslizenz ist man dabei.
Richtig dreist wird die Scareware, wenn sie zur „Ransomware“ (ransom: Lösegeld) mutiert und Teile der Datenbestände des Benutzers löscht, verschlüsselt oder auf andere Art unbrauchbar macht – bis er diese durch Bezahlung einer Gebühr per Kreditkarte ins Ausland wieder auslöst.
Letztlich hilft da nur die Installation eines „richtigen“ Schutzprogramms gegen Schadsoftware aller Art. Es bringt i.d.R. Filter und Signaturen mit, die solche, auch PUPS („possibly unpopular software“) genannten Programme, erkennen und entfernen können.
Außerdem lohnt es sich, sich an die „12 Geboten der sicheren Computernutzung“ zu erinnern und nichts, das zum Ausprobieren aus dem Internet runtergeladen wurde, auf seinem Arbeits-PC zu installieren. Wer es sich gar nicht verkneifen kann, sollte hierfür einen isolierten Testrechner oder eine virtuelle Maschine innerhalb einer gesicherten Virtualisierungsumgebung verwenden.
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Verfasst von Guido Strunck
28. Februar 2011
Soziale Netzwerke haben sich in den letzten Jahren zunehmend zu einem Massenphänomen entwickelt. Ihre Nutzerzahl sowie das in ihnen gelagerte und täglich neu hinzukommende Datenvolumen wachsen nahezu exponentiell. Menschen nutzen solche Dienste zunehmend, um damit ihr Leben zu organisieren, sich zu unterhalten, sich mit anderen auszutauschen oder gemeinsame Projekte zu planen.
Die so entstehenden Datenbestände sind nicht nur für die Betreiber dieser Systeme von Interesse sondern auch für Dritte. Firmeninterna lassen sich so zusammenrecherchieren, die Abwerbung von Schlüsselpersonal vorbereiten, die Hobbys von Bewerbern und Geschäftspartnern ausspähen. Fälle von Cyberstalking, Cybermobbing oder sexueller Belästigung sind nicht nur aktenkundig sondern füllen bereits etliche Regalmeter in den Lagern der Ermittlungsbehörden.
Es „menschelt“ eben überall, wo Menschen einander begegnen.
Kürzlich riefen daher einige IT-Sicherheitsexperten die Seite socialnetworksecurity.org ins Leben. Sie wollen damit auf Sicherheitslücken in sozialen Netzwerken hinweisen und so Druck auf deren Betreiber ausüben. Bislang listen sie bereits 46 entdeckte Schwachstellen in 28 Netzwerkplattformen auf und weisen auch darauf hin, was bereits behoben wurde und was noch nicht.
Zudem gibt es Sicherheitstipps für Nutzer und Betreiber sozialer Netzwerke.
Es sind meist diese Sicherheitslücken und Schwachstellen, durch die Daten abfließen können. Dabei sind grundsätzlich zwei Arten von Lücken möglich.
Unzureichend, unüberlegt oder falsch gesetzte Einstellungen der Benutzer zum Schutz ihrer Daten.
Dagegen anzugehen erfordert entsprechende Handhabungskenntnisse der Nutzer sowie deren wohlüberlegte Nutzung auf den jeweiligen Plattformen. Aber auch Einstellmöglichkeiten, die sowohl übersichtlich und selbsterklärend als auch ausreichend und sicher sind. So hat z.B. Facebook mit seinen über den ganzen Account verteilten Einstelloptionen hat da noch viel Verbesserungspotential.
Schwachstellen, technische Defekte und Qualitätsmängel der Systemplattformen.
Soziale Netzwerke sind im Grunde genommen nichts anderes als webbasierte Server-Applikationen, die ihre Daten in Datenbanken ablegen. Sie lassen sich mit den gleichen Methoden angreifen wie Webanwendungen und Webserver generell. Beliebte Angriffsformen sind dabei immer wieder Code-Injection, Cross-Site Scripting (XSS) oder Cross-Site Request Forgery (CSRF).
Nutzer und Hacker können entdeckte Schwachstellen an die Betreiber von socialnetworksecurity.org (anonym wenn gewünscht) melden. Diese nehmen aber nur solche Schwachstellen an, für die ihnen
präzise Beschreibungen oder andere Nachweisformen des tatsächlichen und reproduzierbaren Bestehens mitgeschickt werden.
Allerdings haben sich Schwachstellen mittlerweile zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt, wie z.B. die ct‘ zuletzt in der Ausgabe 5/2011 unter dem Titel „Das Geschäft mit den Bugs“ berichtete. Man kann sie legal an Firmen wie Zero Day Initiative (ZDI) oder iDefense Security Intelligence Services verkaufen. Diese betreiben kostenpflichtige Informationsdienste für Softwareanbieter, in denen sie diese Schwachstellen z.T. mit ausführlichen Hinweisen zur Eindämmung darstellen. Andererseits werden gerade für „frische“ Schwachstellen (Zero Day Exploits) in verbreiteten Softwareprodukten und Systemen durchaus 5-6stellige Beträge auf Hackerschwarzmärkten im Cyber-Untergrund bezahlt.
Es bleibt abzuwarten, in wie weit Projekte wie socialnetworksecurity.org für mehr Sicherheitsbewusstsein bei den Entwicklern und Betreibern sozialer Netzwerke zu sorgen vermögen. Bzw. wo dies der Schwarzmarkthandel mit Exploits tun wird.
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Verfasst von Guido Strunck
6. Februar 2011
In Unternehmen führen Maßnahmen zur Verbesserung der IT-Sicherheit häufig dazu, dass Arbeitsabläufe komplizierter, aufwendiger und damit auch teurer werden. Oft nimmt auch die Benutzerfreundlichkeit von Anwendungen ab, weil umständlichere Abläufe implementiert werden müssen. Das bewirkt oftmals Widerstände in der Belegschaft, sorgt für eine eher nachlässige und unvollständige Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen, erzeugt Angriffspunkte für Social-Engineering-Attacken und führt letztlich dazu, dass das Informationssicherheitskonzept der Firma in etwa so wirksam bleibt wie so manches prosaische Unternehmensleitbild.
Üblicherweise versuchen Unternehmen und IT-Sicherheitsbeauftragte dieses Problem durch Awareness-Kampagnen zur Sensibilisierung der Beschäftigten für Fragen der betrieblichen Informationssicherheit anzugehen. Hierfür ließ sich Lafarge Asia (ein Baustoffhersteller) in Zusammenarbeit mit e-Learning-Beratungsfirma IMC etwas Neues einfallen: Rund 8.000 Mitarbeiter erhielten im Rahmen einer Awareness-Trainingsmaßnahme und als besonderes Bonbon ein eigens entworfenes Brettspiel namens „Jungle Game“. Mit dem auf Karten und Würfeln basierenden und völlig analog und offline spielbaren Brettspiel sollen die Spieler Fragen zur Informationssicherheit beantworten und Punkte sammeln können.
Während chinesische Mitarbeiter dabei großen Wert auf schriftliches Informationsmaterial legten, schätzten indische und philippinische Vertreter eher den verbalen Austausch in Gruppendiskussionen während des Spiels. Andere Nationen wiederum akzeptieren beide Unterrichtsformen, müssen aber meistens im Rahmen begleitender Schulungen motiviert werden, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen.
„Wir haben ein mehrstufiges Konzept ausgearbeitet, um alle Beteiligte abzuholen“, erklärt Dr. Kathrin Bergenthal, Director Content Services bei der IMC, dem e-Learning-Anbieter. „In einem halbtägigen Präsenztraining wurde den Lafarge Mitarbeitern der Hintergrund der Kampagne vermittelt, konnten sie das Spiel testen, in einer Gruppenarbeit ausgewählte Sicherheitsaspekte erörtern und die Ergebnisse dann abschließend diskutieren. Auf diese Weise erhielten alle einen Zugang zum Lernziel“.
Besonderes Interesse weckte in diesen Schulungen das bereits erwähnte, im Format DIN A2 gehaltene Brettspiel „Jungle Game“, das zwei bis sechs Personen mit einem Würfel spielen können. Insgesamt 100 Fragen zur IT-Sicherheit sind auf den rund 50 Spielkarten formuliert. Bei richtiger Beantwortung gibt es einen bis fünf Punkte. Sieger ist, wer als erster 20 Punkte gesammelt hat.
Beim Design des Spiels ließen sich die Entwickler der IMC vom für die fernöstliche Region typischen tropischen Dschungel inspirieren: Moskitos und Blutegel stehen für Computerviren und Würmer, Regenwolken stellen den Bezug zum Cloud Computing her, Spinnennetze verdeutlichen Schwächen in IT-Netzwerken und ein Bustrip in den Dschungel thematisiert das „Shoulder Surfing“, das Ausspähen von Bildschirminhalten über die Schulter des Anwenders hinweg.
Analoge Brettspiele stellen dabei einen originellen neuen Zugangsweg zu Inhalten der IT-Sicherheit für Endanwender in den Unternehmen dar. Diesem Instrument dürfte daher künftig bei der Gestaltung von Awareness-Kampagnen zur Informationssicherheit in Organisationen sicherlich noch einige Aufmerksamkeit zukommen.
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Verfasst von Guido Strunck
17. Januar 2011
Vor einigen Tagen feierte die Wikipedia ihr zehnjähriges Bestehen. Sie ist das wohl größte nichtkommerzielle Internetprojekt und ein fester Bestandteil der Internetnutzung vieler Menschen.
Die ihr zugrunde liegende Wiki-Technologie zur einfachen Realisierung von Hypertextsystemen hat sich erst recht immens verbreitet. In vielen Unternehmen werden Projektinformationen nicht mehr per Redaktionssystem ins Intranet gestellt sondern per Wiki. Und im WWW finden sich für immer mehr Interessensgruppen und –lagen entsprechende Wikis.
Seit einigen Monaten hat nun auch die deutschsprachige Sicherheits-Community ihr Wiki – die Secupedia. Der SecuMedia-Verlag, der u.a. die Fachzeitschrift „<kes>“ sowie den IT-Grundschutz-Infobrief herausgibt, hat in Kooperation mit mehreren Fachverbänden ein Wiki für an Sicherheitsthemen Interessierte ins Netz gestellt. Die Erstbefüllung erfolgte mit den Inhalten des „Sicherheitsjahrbuches“, einem Nachschlagewerk der Sicherheitsbranche. Es bietet etwa 1.600 Begriffe der IT- und Unternehmenssicherheit, die unter einer CC-Lizenz (CC BY-NC-SA 3.0) frei im Netz verfügbar stehen (das Buch ist nach wie vor als Printversion für 25 € erhältlich). Geplant ist, die Informationen der Secupedia um weitere Inhalte wie Checklisten, Kalender für fachbezogene Veranstaltungen, Videos und Webinare zu ergänzen.
Die Secupedia-Inhalte können auch von Dritten bearbeitet werden, wobei jedoch Klarnamen der Verfasser mit veröffentlicht werden und eine redaktionelle Qualitätssicherung etabliert wurde, um die Güte der Inhalte nachvollziehbar zu machen. Eine gute Gelegenheit für Sicherheitsexperten, sich im Internet fachlich zu positionieren.
Ein mit Sicherheit interessantes Projekt, dass es im Auge zu behalten gilt.
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Verfasst von Guido Strunck