23. Oktober 2011
Der Grad an relativer Sicherheit bzgl. Gefahren durch Schadsoftware auf dem eigenen PC hängt stark damit zusammen, in wie weit man dafür sorgt, dass das verwendete Betriebssystem sowie die installierte Software jeweils auf dem aktuellsten Stand ist.
Hersteller verbreiteter Softwareprodukte werden laufend auf Schwachstellen, Fehler u.ä. ihrer Programme hingewiesen. Manche davon so gravierend, dass rasche Updates ausgeliefert werden müssen.
Am besten stehen da die Nutzer von Linux da. Linux bringt eine Paketverwaltung mit, die ohne weitere Aktivität des Anwenders Buch darüber führt, ob alle installierten Pakete aktuell sind, ob Updates vorliegen und eingespielt werden müssen und ob das Austauschen einzelner Komponenten währen eines Aktualisierungslaufs andere Programme in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt (Abhängigkeitsauflösung).
Das fehlt bei Windows. Windows kann zwar so konfiguriert werden, dass es die regelmäßig veröffentlichten Updates für Microsoft-Produkte selbsttätig findet, herunterlädt und installiert – für die diversen sonstigen auf dem Rechner installierten Anwendungen leistet es das jedoch nicht. Darum hätte sich der Nutzer selbst zu kümmern (bzw. den hoffentlich vorhandenen und aktivierten Auto-Update-Funktionen seiner Programme zu vertrauen). Abhängigkeitsauflösungen und Kompatibilitätstest auf Verträglichkeit einzelner Updates mit anderen, bereits vorhandenen Programmen gibt es erst recht nicht.
Doch gerade aus der Sicherheitsperspektive betrachtet, ist es sehr wichtig, dass veraltete oder als mit bekannten Schwachstellen belastete Software zügig ersetzt wird. Für die Programmierer von Schadsoftware sind speziell Browser und verbreitete Anzeigeprogramme für Mediendateien ein beliebtes Angriffsziel. Sie sind auf fast allen Rechnern vorhanden, arbeiten überall in gleicher Weise und können so Schadcode den Zugriff auf den vollen Rechner eröffnen. Ein Großteil aller entdeckten Schwachstellen entfällt dabei auf nur wenige, dafür aber sehr weit verbreitete Softwareprodukte.
In Unternehmen mit zahlreichen windowsbasierten Arbeitsplatzrechnern werden daher kommerzielle Softwareverteil- und -paketiersysteme eingesetzt und die genutzten Softwarebestände im Rahmen von geregelten Release- & Rollout-Management-Prozessen verwaltet und aktuell gehalten.
Für Privatanwender bietet die Firma Secunia mit dem kostenlosem Personal Software Inspector (PSI) ein meiner Ansicht nach sehr nützliches Programm zum Download an. Der PSI inventarisiert nach dem ersten Start die auf dem PC vorhandenen Programme und gleich deren Versionsstände mit seiner Versionsdatenbank ab. Auf diese Weise entdeckt er schon rasch veraltete Programme, mehrere parallel installierte Versionen und andere potentielle Sicherheitsdefizite. Für die meisten bietet er auch gleich Links an, um Updates für die betroffenen Programme von den Webseiten der jeweiligen Anbieter herunterzuladen. Manche kann PSI sogar selbsttätig finden und einspielen. Auf diese Weise kann das im Hintergrund laufende Programm dazu genutzt werden, den Rechner automatisch mit Updates der gängigsten Programme versorgen zu lassen, sobald diese veröffentlicht werden. Ein manuelles Nachführen ist dann nicht mehr notwendig.
Leider bringt nicht jedes obsolet gewordene Programm einen eigenen Uninstaller mit. Und die Softwareverwaltung von Windows ist beim „Aufräumen“ nicht immer allzu gründlich. Oft bleiben auch nach einer Deinstallation noch Dateien, Verzeichnisse und Registrierdateneinträge übrig. Das ist zwar im Zeitalter der Terabyte-Festplatten bzgl. des belegten Plattenspeichers kein echtes Platzproblem. Allerdings kann jedes auf dem Rechner vorhandenes Stück Software ein potenzielles Einfallstor für Angriffe per Schadcode werden.
Wer die PC-Hygiene daher sorgfältiger betreiben will, kann dazu auf die ebenfalls kostenlosen Tool Revo Uninstaller (kostenlose Basisversion, deinstalliert Programme) und CCleaner (findet und beseitigt Datenmüll) einsetzen. Für Schadsoftware wird es auf einem solchermaßen aktuell gehaltenen Rechner deutlich schwieriger, sich festzusetzen.
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Verfasst von Guido Strunck
13. Juni 2011
In den letzten Wochen gab es alle paar Tage Berichte in der Tagespresse über spektakuläre Hacks auf die Rechner von Unternehmen. Kürzlich musste sogar der Weltwährungsfonds eingestehen, unerwünschte „Gäste“ in seinen Systemen gehabt zu haben.
Und jetzt scheint die Schufa dran zu sein. Auf Gulli.com wurde über einen Angriff auf die Webserver der Wirtschaftsauskunftei berichtet, bei dem über Local File Inclusion Zugriffe auf dort vorhandene, aber nicht direkt zum Webangebot gehörende Daten möglich waren. Solche Attacken auf Webserver gehen üblicherweise Angriffen auf Systeme „weiter im Inneren“ einer Organisation voraus. Gleichzeitig sind sie aber auch Gradmesser für die Ernsthaftigkeit mit der eine Organisation IT-Sicherheit betreibt. Denn Webserver, die über leicht auffindbare Sicherheitslücken wie SQL Injection, File Inclusion und Cross-Site Scripting angegriffen werden können, deuten i.d.R. auf mangelndes operatives IT-Risikomanagement und fehlende Routinen zur sicherheitstechnischen Aktualisierung von außen erreichbarer Systeme hin. Der Hinweis an die Gulli-com-Redaktion kam von einer ungenannten Quelle und wurde von Sicherheitsexperten per Proof-of-Concept bestätigt. Auch Tagesschau.de griff das Thema auf und wies auf die Problematik der Kombination aus Massendatenspeicherung, fragwürdiger “Freiwilligkeit” der faktisch erzwungenen Datenabgabe durch Verbraucher und scheinbar laxe Sicherheitsstandards bei der Schufa hin.
„Der Vorfall reiht sich in eine lange Reihe brisanter Sicherheitslücken ein und zeigt erneut, dass jede Form der personenbezogenen Datensammlung ein Sicherheitsproblem darstellt“, so Sebastian Nerz, angehender Informatiker und Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland in einer Pressemeldung. „Ob SCHUFA oder andere große Datenbestände wie die deutschen Zensusdaten, die digitalen Steuerdaten oder die Arbeitnehmer-Datenbank ELENA: Nur wenn Daten erst gar nicht gespeichert werden, sind sie vor unbefugten Zugriffen sicher. Datensparsamkeit muss daher oberstes Gebot sein. Leider ist diese Erkenntnis immer noch nicht in der Politik angekommen. Große Datenhalden werden nach wie vor als eine Lösung und nicht als Teil des Problems gesehen.“
Und die Daten der Schufa dürften in der Tat einen beträchtlichen Wert am Datenschwarzmarkt darstellen, falls es Hackern mit wirtschaftskriminellen Motiven gelänge sie zu erbeuten. Hat doch die Schufa eine monopolartige Position erreicht, die es Verbrauchern fast unmöglich macht, am täglichen Geschäftsverkehr teilzunehmen, ohne laufend standardisierte Schufa-Einwilligungsklauseln zu unterschreiben. Eine Praxis, die z.B. im Arbeitsrecht bereits dazu geführt hat, dass dort datenschutzrechtliche Einwilligungen aufgrund des Machtungleichgewichts zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern als rechtlich unbeachtlich angesehen werden, da die „Freiwilligkeit“ ihres Zustandekommens bezweifelt wird. Die Schufa dürfte über einen deutschlandweit wohl einzigartigen Bestand an Finanzdaten fast aller Inhaber von Bankkonten, Handynutzern, Kreditnehmern oder Kartenzahlern besitzen. Die enormen Vorratsdatenbestände der privatwirtschaftlichen Schufa kamen nur durch die oligopolartige Stellung der Wirtschaftsauskunfteien zustande, die es Verbrauchern nahezu unmöglich macht, an ihnen vorbei Bankgeschäfte oder bargeldlose Zahlungen zu tätigen.
Eine solche Organisation ist aufgrund vieler Gründe ein herausforderndes Ziel für Hacker. Sei es als Versuch zu Ruhm und Anerkennung innerhalb der Szene zu kommen, sei es aus räuberischen Motiven, sei es im Rahmen eines Vergeltungsschlages gegen eine, ihrer Ansicht nach zu mächtig gewordene Organisation.
Die in der Überschrift gestellte Frage kann man mittlerweile als bereits beantwortet ansehen. Denn David Vieira-Kurz, der Gulli-com den Proof-of-Concept geliefert sowie die Schufa-Verantwortlichen gewarnt hat, berichtet auf seinem Blog Secalert.net dass die Schufa-Verantwortlichen ihm als Dank eine Flasche Sekt versprochen hatten, nachdem sie die Lücke im Webserver geschlossen hatten.
Unklar ist allerdings noch, ob nicht zwischenzeitlich auch Dritte die Lücke ausnutzen und sich Schufa-Daten beschaffen konnten.
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Verfasst von Guido Strunck
5. Juni 2011
Es ist immer wieder erstaunlich, was die weltweite Open-Source-Community so möglich macht. Programmierumgebungen, Tools und andere Software, die noch vor wenigen Jahren nur für viel Geld (oder als illegale Kopie) erhältlich war, ist heute kostenlos für Jedermann verfügbar. Dazu zählt „Backtrack“, eine auf Ubuntu basierende Linux-Distribution speziell für Sicherheitsexperten, Pen-Tester und anderweitig an Security- und Hacker-Tools interessierten Leuten. Das bekannte Hacker-Linux ist kürzlich in der Version 5 „Revolution“ erschienen. Zahlreiche darin enthaltene Tools wurden runderneuert und auch Linux-Kernel (2.6.38) und sonstige Komponenten wurden auf den aktuellen Stand gebracht. Große Teile des zugrunde liegenden Systems wurden sogar komplett neu entwickelt und zusammengestellt, so dass ein Upgrade von Backtrack 4 zu Backtrack 5 nicht möglich ist. Zuviel hat sich „unter der Motorhaube“ getan, so dass man um eine Neuinstallation nicht herumkommt.
Auf www.backtrack-linux.org wird Backtrack 5 als ISO-Datei oder VMWare-Image für 32- und 64bit-Systeme angeboten. Wahlweise mit vorkonfigurierter KDE- oder Gnome-Oberfläche. Einmal auf DVD gebrannt, kann man Backtrack 5 als Live-System einsetzen oder auch direkt auf einem Rechner installieren. Oder Backtrack als virtualisierte Umgebung nutzen. Ein Blog, ein Wiki, ein Forum sowie ein Tutorials-Bereich bieten Tipps und Infos für den Einstieg an.
Backtrack 5 kann wie auch die vorherigen Versionen per Shell oder GUI bedient werden. In letzterer sind die zahlreichen Tools geordnet nach Kategorien abrufbar.
Die Backtrack-Entwicklergemeinde bezeichnet Backtrack als „das am weitesten verbreitete Framework für Penetrationstests, das weltweit von der Security-Community eingesetzt wird“. Was aufgrund der gut 350 darin enthaltenen Tools, darunter Spezialwerkzeuge zum Finden von Systemschwachstellen sowie für forensische Netzwerkanalysen, auch nicht verwundert.
Wie aber finanzieren die Backtrack-Entwickler ihr Dasein, wenn sie dieses dicke Softwarepaket einfach so verschenken? Die meisten sind selbst als IT-Sicherheitsberater tätig. Sie setzen ihr eigenes Werkzeug ein und gewinnen mit der weiteren Verbreitung der Backtrack-Distribution an fachlicher Reputation. Andere haben entdeckt, dass das Arbeiten mit Backtrack sowie der Einsatz aktueller Hackertechniken durchaus auch Gegenstand von Schulungen sein kann, die sie unter dem Label „Offensive Security“ anbieten.
Auch hier gilt wieder: Nicht alles was kostenlos erhältlich ist, darf auch überall ausprobiert werden! In Deutschland bewegt man sich damit dank des „Hackerparagraphen“ in einer rechtlichen Grauzone. Verwenden Sie die Werkzeuge von Backtrack daher nur im Zusammenhang mit Ihren eigenen Rechnern.
Für Hobbyhacker und Einsteiger in das Thema technische IT-Sicherheit empfiehlt sich daher zunächst ein rechtlich sicheres „Übungsgelände“. Auch dafür gibt es die passende Linux-Distro: Damn Vulnerable Linux (DVL). Mit der Distribution ist es möglich, ein System mit unterschiedlichsten Sicherheitslücken zu simulieren, mittels diverser Testprogramme zu überprüfen und letztendlich zu schließen. Sie wird üblicherweise im Umfeld von Schulungen für Sicherheitsexperten eingesetzt, kann aber auch zum Privatgebrauch verwendet werden. Für Sommer 2011 ist eine runderneuerte Version 2.0 von DVL angekündigt.
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Verfasst von Guido Strunck
1. Juni 2011
Hacker haben in den letzten Tagen etliche Websites der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) gehackt sowie sich Zugang zu parteiinternen Daten verschafft und diese veröffentlicht.
Die diversen Websites der NPD zählen zu den Lieblingszielen der hackenden Besucher des alljährlich zu Jahresende in Berlin stattfindenden Chaos Communication Congress. Fast jedes Jahr werden beträchtliche Mengen an Arbeitszeit der freischaffenden Sicherheitsexperten der NPD „gespendet“ um deren Systeme durch kreatives Penetration Testing u.ä. auf Sicherheitslücken durchzuprüfen. Daher sollten die NPD-Rechner inzwischen eigentlich zu den bestgeprüftesten und gehärtesten Parteiservern in Deutschland zählen.
Das dem wohl eher nicht so zu sein scheint, stellte kürzlich die Hackergruppe „No Name Crew“ unter Beweis. Sie drang in Dutzende Websites der NPD ein und konnte sogar parteiinterne Datenbanken kopieren und diese zusammen mit etlichen anderen NPD-Dokumenten auf ihrer eigenen Website zur gefälligen Begutachtung bereitstellen.
Besonders heikel: Die Hacker der „No Name Crew“ haben eine Liste von angeblichen NPD-Spendern veröffentlicht. Darin werden über 400 Personen mit Namen und Adresse aufgelistet, die der rechtsextremen Partei in einem allerdings nicht genannten Zeitraum Geld gespendet haben sollen.
Allerdings distanzierte sich die Hackergruppe von der Antifa und den Aktivisten der Gruppe „Anonymous“, nachdem zunächst vermutet wurde, dass die Angreifer aus dem Umfeld antifaschistisch geprägter Polithacker kommen würden. Publicity ist den Hackern der „No Name Crew“ jedoch gewiss – berichteten doch neben Insiderseiten wie Gulli.com auch u.a. Spiegel Online, die Sueddeutsche oder auch Welt Online über den NPD-Hack. „Ich weiß, dass ich mit meiner Aktion auf ein breites Interesse der Öffentlichkeit stoßen werde“, so der Anführer der Truppe, der sich selbst „Darkhammer“ nennt.
Und in der Tat: Der Hack dürfte die NPD wie der sprichwörtliche Hammer aus der Dunkelheit getroffen haben. Denn derzeit scheint der Provider der NPD („naweko – Agentur für Neue Medien“, eine Firma, die dem Landesvorsitzenden der NPD Saarland, Frank Lanz gehört) immer noch mit Schadensbegrenzung beschäftigt zu sein. Die Defacements der gehackten Seiten wurden vom Netz genommen und etliche der betroffenen NPD-Domains sind nicht mehr erreichbar. Ob die NPD sicherheitstechnisch nachbessert, werden wir wohl spätestens im Dezember erfahren, wenn der nächste Chaos Communication Congress stattfindet.
Allerdings weiß man bei allen Skandalen und Aufregerthemen, welche die NPD betreffen ja letztlich nie so genau, was davon auf die braune Truppe selbst zurückführbar ist und wo der Verfassungsschutz die Hände mit drin hatte. Zudem bleibt abzuwarten, ob die NPD Strafanzeige erstatten und staatsanwaltliche Ermittlungen in der Sache anstreben wird.
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Verfasst von Guido Strunck
22. Mai 2011
Smartphones mit dem zunehmend beliebter werdenden Android-Betriebssystem von Google erweisen sich im täglichen Gebraucht als etwas zu mitteilsam, wie deutsche Sicherheitsexperten kürzlich bekanntgaben. Sie melden sich automatisch und ohne Zutun ihres Nutzers in freien WLAN-Netzen an, in denen sie bereits einmal angemeldet waren, sobald das Gerät in die Funkreichweite des entsprechenden WLAN-Routers kommt. Steht die Verbindung, so wird ebenso automatisch eine Synchronisierung mit Google-Diensten wie Mail, Calender, Contacts, oder Picasa gestartet, wobei Authentifizierungsdaten (authToken) zum Teil sogar unverschlüsselt über eine einfache http-Verbindung gesendet werden. Diese Authentifizierungsdaten lassen sich am WLAN-Router mitschneiden (z.B. per Sniffer-Software) und können dann im Einzelfall für bis zu 14 Tage dazu benutzt werden, mit der Identität des Nutzers in dessen Google-Konten zu stöbern.
Auch Apps anderer Anbieter könnten von dem Problem betroffen sein, da nicht nur Google-eigene Apps dieses Anmeldesystem verwenden. So z.B. die Kalendersynchronisation des beliebten Mailprogramms Thunderbird der Mozilla Foundation.
„Der Informationsklau funktioniert besonders gut, wenn der Name des Netzwerks einem bekannten Anbieter ähnelt, also etwa T-Online“, so die Medieninformatiker Bastian Könings, Jens Nickels und Florian Schaub. Dazu reicht es nach Ansicht von Königs, die gut dokumentierten Google-Schnittstellen für externe Entwickler zu benutzen.
Dass mobile Geräte und beliebte Apps sensible Daten unverschlüsselt in die Welt hinausblasen, wird in Expertenkreisen bereits seit einiger Zeit zunehmend kritisch diskutiert.
Kurzfristig raten Fachleute Android-Nutzern zu folgenden Selbsthilfemaßnahmen:
• Zügig auf die aktuellste Version 2.3.4. von Android updaten, in der das Problem so nicht mehr besteht.
• Die automatische Datensynchronisation in den Einstellungen deaktivieren.
• Die Liste bereits konnektierter WLAN-Netze im Handy regelmäßig löschen (nur auf der Liste befindliche Netze werden automatisch konnektiert).
• Offene WLAN-Netze möglichst meiden, wenn datensensible Dienste und Apps genutzt werden.
Zumindest der erste Punkt der Empfehlungen ist für zahlreiche Smartphone-Nutzer jedoch gar nicht so leicht umsetzbar. Zwar ist Android ein (weitgehend) offenes System. Jedoch haben viele Smartphone-Hersteller ihre Geräte mit individuellen Oberflächen und Zusatzprogrammierungen „gebrandet“, so dass sie Upgrades des zugrunde liegenden Android-Betriebssystems nur zögerlich, falls überhaupt ausrollen. So ist derzeit ein ganzer Zoo von unterschiedlichen Android-Versionen im Markt unterwegs.
Doch es sind nicht nur Android-Handys betroffen. Grundsätzlich funktioniert die Methode, in offenen WLANs Daten mitzuschneiden und zweckzuentfremden auch bei anderen Mobilgeräten wie etwa Laptops, Navis oder Tablets, sofern diese Daten unverschlüsselt in den Äther blasen.
Inzwischen plant Google kurzfristig ein außerplanmäßiges Sicherheitsupdate an alle Android-Geräte zu verteilen und dabei nicht den Weg über die einzelnen Handyhersteller und Distributoren zu gehen. Der Patch soll die Kommunikation zwischen Gerät, WLAN-Router und mobilen Diensten verschlüsselt über das https-Protokoll abwickeln. Das allein ist jedoch nur die halbe Lösung, solange solche Kommunikationen versteckt im Hintergrund und ohne Kenntnis und Zustimmung des Benutzers ablaufen.
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Verfasst von Guido Strunck
8. Mai 2011
Die letzten zwei Wochen waren wieder sehr „gehaltreich“ für Leute, die sich mit Fragen der Informationssicherheit beschäftigen.
Zunächst entdeckten zwei Softwareentwickler, dass Apples Flaggschiffe iPad und iPhone vom Benutzer unbemerkt nahezu ständig Positionsdaten in einer lokalen Datenbank auf dem Gerät mitloggen und diese auch auf einen mit dem Gerät synchronisierten PC sowie über den Umweg von WLAN-Positionsabfragen auch auf Apple-Server hochladen. Und zwar auch dann, wenn der Benutzer entsprechende Funktionen in den Geräten deaktiviert hat. So entsteht eine Datenbank, welche zwar kein vollständiges Bewegungsprofil des Anwenders, jedoch die Koordinaten von WLAN-Routern und Mobilfunkzellen in seiner Nähe zusammen mit einem Zeitstempel enthält. Sie entwickelten daraufhin eine App namens iPhone Tracker, mit der sich diese Daten auslesen und auf einer Karte grafisch darstellen lassen.
Parallel kämpft Sony derzeit mit wiederholten Hackerangriffen und Datendiebstählen. Zunächst drangen Hacker in die Datenbanken des Playstation-Networks (PSN) und des Musik- und Filmedienstes Qriocity ein und konnten Datensätze von etwa 77 Millionen Nutzerkonten kopieren. Inhaltlich können diese Daten am Schwarzmarkt verkauft und später für gezieltes Spear-Phishing oder Kreditkartenbetrug verwendet werden. Einige Tage später wurde bekannt, dass auch 25 Millionen Nutzerdatensätze des kommerziellen Spiele-Netzwerks Sony Online Entertainment (SOE) abhanden kamen. Wohl bei demselben Raubzug. Schon vor Wochen hatte Sony aus der Szene Hinweise auf bestehende Sicherheitslücken erhalten. Der Konzern hatte diese jedoch ignoriert bzw. war sogar gerichtlich gegen einen Hacker und Homebrew-Programmierer vorgegangen, der es geschafft hatte, sicherheitskritische Teile seiner eigenen Playstation-3-Spielekonsole zu hacken und der dies öffentlich gemacht hatte. Statt den Mann einzustellen und zur weiteren Verbesserung der betreffenden Systemkomponenten einzusetzen, hatte Sony eine einstweilige Verfügung erwirkt, um ihm das Verbreiten seiner Erkenntnisse zu erschweren. Das haben andere Hackergruppen dem Konzern wohl nachhaltig verübelt.
Dann wurde bekannt, dass TomTom, ein Anbieter von Navigationssystemen, gespeicherte Verkehrsdaten der Nutzer an die niederländische Regierung verkauft hatte. So wertet Tomtoms Verkehrsinformationsdienst HD Traffic beispielsweise anonymisierte Bewegungsprofile von Navigationsgeräten mit Internetanbindung sowie von Smartphones mit Tomtom-App aus, um Staus möglichst früh zu erkennen und in die Navigation miteinzubeziehen. Dabei werden auch Daten wie Fahrgeschwindigkeitswerte übermittelt bzw. können durch Zeit/Ort-Differenzabgleich errechnet werden. Mit diesen Daten lassen sich Stellen im Straßennetz finden, wo besonders häufig gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen verstoßen wird und wo es daher lukrativ sein kann, „Blitzer“ aufzustellen. Obwohl aus Tomtoms Sicht legal und in verallgemeinerter Form sogar Bestandteil der Nutzungsbedingungen, zeigt diese „Zweitverwertung“ von Nutzerdaten doch, dass Daten auch ganz ohne Zutun von Hackern in falsche Hände gelangen können um dann den Nutzern zu schaden. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass Tomtom auch mit der australischen Regierung über solche „Datenzweitverwertungen“ verhandelt. Aus dem ersten Fehler wurde wohl nichts gelernt.
Vor kurzem musste Amazons Cloud-Service EC2 seinen Kunden gegenüber eingestehen, dass es nach einem mehrstündigen Systemausfall zu einem größeren, nicht mehr wiederherstellbaren Datenverlust gekommen ist. Der Dienst, der von Amazon mit dem Motto „Die Cloud, auf die Sie sich verlassen können“ beworben wird, hatte beim Wiederanlaufen mit nicht mehr behebbaren Inkonsistenzen in seinen Datensicherungen zu kämpfen. Wohl dem, der Alternativen in der Hinterhand hatte.
Manche Unternehmen sparen bei der IT-Sicherheit und werden daher Opfer von Hackerattacken, da es leicht ist, bei ihnen Daten abzugreifen. Andere hingegen praktizieren quasi-militärische Hochsicherheitsstandards – und werden ebenfalls Opfer von Hackern, die sich technologisch herausgefordert fühlen. Wieder andere versuchen wie Sony gegen kleinere Ärgernisse aus der Hackerszene gerichtlich vorzugehen. Mit der Konsequenz, dass sich daraus sehr große und rechtlich nicht mehr in den Griff zu bekommende Probleme entwickeln können. Und auch dort wo es aus der Perspektive der Informationssicherheit zu keinen nennenswerten Vorfällen kam, machen sich Probleme mit der Softwarequalität bemerkbar. So gab z.B. Apple bekannt, dass das Geodatenlogging im iPhone letztlich ein Programmierfehler gewesen sein soll. Auch wenn Apple bereits 2009 für etwas von der Idee her sehr Ähnliches ein US-Patent beantragt hat. Patentierte Fehler?
Was ist nun die gemeinsame Konsequenz all dieser Dinge?
Unternehmen nutzen (zu) viele Daten und betreiben (zu) datenintensive Geschäftsmodelle. Wer aber viele Daten nutzt, muss auch umfangreiche, teure und wegen ihrer Komplexität fehleranfällige Maßnahmen zu ihrer Absicherung mit einplanen. Und wird oftmals gleich vom Gesetzgeber zu entsprechender Vorsorge verpflichtet.
Daten haben in Unternehmen also nicht nur den Charakter eines wertvollen Besitzes oder eines notwendigen Produktionsfaktors. Sie werden auch zum Risiko und zum Kostenfaktor. Daher sollten sie nach Möglichkeit sehr sparsam verwendet werden. Geschäftsprozesse sollten den Prinzipien der Datensparsamkeit und Datenvermeidung Rechnung tragen, wie es das Bundesdatenschutzgesetz im §3a für personenbezogene Daten ohnehin fordert.
Es ist ein Stück weit ähnlich wie mit produktionsbezogenem Problemmüll. Er ist oft in hohem Maße giftig oder anderweitig schädlich, so dass er auf spezielle Art und Weise gesichert und entsorgt werden muss. Mehr Müll bedeutet dann höhere Kosten. Vermeidet man Müll, indem man im Produktionsprozess sparsamer und effizienter mit Rohstoffen umgeht, senkt das unmittelbar die Entsorgungskosten sowie die Prozesskosten für die Behandlung und Lagerung der giftigen oder strahlenden Abfälle.
Ähnlich verhält es sich mit den Datenvolumina, der Kritikalität von Daten sowie den Kosten zu ihrer informationstechnischen Absicherung. Auch hier bedeutet ein Weniger an Daten auch ein Weniger an Kosten. Gleichzeitig gehen Unternehmen, die schlampig mit Daten umgehen oder diese sehr einseitig zu ihren Gunsten nutzen, ähnliche Risiken für ihr Ansehen in der Öffentlichkeit ein, wie Firmen, die hochgiftige Abfälle einfach in den Fluss kippen oder auf dem Meer verklappen lassen.
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Verfasst von Guido Strunck
10. April 2011
Dieses von Sebastian Kübeck verfasste Buch aus dem mitp-Verlag befasst sich mit den Methoden sicherer Softwareentwicklung speziell für webbasierte Anwendungen. Die zugrunde liegenden Überlegungen sind aber größtenteils auch auf andere Bereiche der Softwareentwicklung übertragbar. Das Buch richtet sich an Softwareentwickler, die sich noch nicht intensiver mit Informationssicherheit und dem Schreiben sicheren Codes befasst haben. Und die somit einen Einstieg in die Themen Informationssicherheit sowie Methoden sicherer Webentwicklung suchen. Aber auch Administratoren webbasierter Systeme können davon profitieren.
Das Buchh ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Informationssicherheit Grundkonzepte der IT-Sicherheit speziell aus der Sicht des Softwareentwicklers erläutert. Dazu zählen Dinge wie die Prinzipien sicherer Softwareentwicklung, Authentisierungsverfahren oder sichere Datenübermittlung durch den Einsatz kryptografischer Verfahren.
Teil zwei befasst sich mit häufig auftretenden Schwachstellen in Softwareprodukten sowie Wegen zu deren Vermeidung. Dazu zählen Filterung und Aufbereitung nahezu jeder Form von Eingabe durch Anwender, um z.B. Code-Injection- und Scripting-Angriffen vorzubeugen. Oder die Vermeidung von Webserver-Konfigurationen durch die Teile der Systemkonfiguration per Suchmaschine erfassbar (Google Hacking) oder durch manuelles Suchen (Path Traversal) erreichbar werden.
Oftmals beginnen Probleme mit der Applikationssicherheit jedoch bereits bei der Verwendung von altbewährten und weit verbreiteten Bibliotheksfunktionen gerade der C-Sprachen, welche direkte Speicherzugriffe ermöglichen und die aufgrund von Implementationsfehlern zu Sicherheitsproblemen wie Pufferüberläufen, Code Injection-Schwachstellen u.ä. führen und daher nicht mehr verwendet werden sollten.
Webanwendungen können auch anfällig für DDOS-Attacken werden, wenn sich in ihnen Code aufspüren lässt, der zu Speicherlecks, Endlosschleifen, Rekursionen mit fehlerhafter Abbruchbedingung führt oder der Wartezeiten auf (schwächere) nachgelagerte Systeme wie z.B. entfernte Datenbanken generiert.
Schließlich gibt Teil drei konkrete Tipps und Hinweise wie man durch qualitätssichernde Maßnahmen wie Pen-Tests, Code Reviews, Softwaretests sowie der Berücksichtigung von Prinzipien sicherer Entwicklung von Webapplikationen seine Software sicherer macht. Hier wird z.B. auch auf (meist quelloffene) Testing-Tools wie Schwachstellen-Scanner, Mustersucher für die Quellcodeanalyse oder Tools zur Testautomation eingegangen.
Stets werden die Erläuterungen im Buch von entsprechenden Codebeispielen (meist in Java oder Javascript sowie in SQL für Datenbankzugriffe) begleitet, in denen die problematischen Stellen nachvollziehbar erläutert werden.
Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch speziell für Softwareentwickler aber auch für generell am Thema sicherer Software interessierter IT-Fachleute. Wobei das Thema Entwicklung sicherer webbasierter Anwendungen gerade im Zeitalter von Cloud Computing und mobiler Apps drastisch an Bedeutung gewinnen dürfte.
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Verfasst von Guido Strunck
6. Februar 2011
In Unternehmen führen Maßnahmen zur Verbesserung der IT-Sicherheit häufig dazu, dass Arbeitsabläufe komplizierter, aufwendiger und damit auch teurer werden. Oft nimmt auch die Benutzerfreundlichkeit von Anwendungen ab, weil umständlichere Abläufe implementiert werden müssen. Das bewirkt oftmals Widerstände in der Belegschaft, sorgt für eine eher nachlässige und unvollständige Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen, erzeugt Angriffspunkte für Social-Engineering-Attacken und führt letztlich dazu, dass das Informationssicherheitskonzept der Firma in etwa so wirksam bleibt wie so manches prosaische Unternehmensleitbild.
Üblicherweise versuchen Unternehmen und IT-Sicherheitsbeauftragte dieses Problem durch Awareness-Kampagnen zur Sensibilisierung der Beschäftigten für Fragen der betrieblichen Informationssicherheit anzugehen. Hierfür ließ sich Lafarge Asia (ein Baustoffhersteller) in Zusammenarbeit mit e-Learning-Beratungsfirma IMC etwas Neues einfallen: Rund 8.000 Mitarbeiter erhielten im Rahmen einer Awareness-Trainingsmaßnahme und als besonderes Bonbon ein eigens entworfenes Brettspiel namens „Jungle Game“. Mit dem auf Karten und Würfeln basierenden und völlig analog und offline spielbaren Brettspiel sollen die Spieler Fragen zur Informationssicherheit beantworten und Punkte sammeln können.
Während chinesische Mitarbeiter dabei großen Wert auf schriftliches Informationsmaterial legten, schätzten indische und philippinische Vertreter eher den verbalen Austausch in Gruppendiskussionen während des Spiels. Andere Nationen wiederum akzeptieren beide Unterrichtsformen, müssen aber meistens im Rahmen begleitender Schulungen motiviert werden, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen.
„Wir haben ein mehrstufiges Konzept ausgearbeitet, um alle Beteiligte abzuholen“, erklärt Dr. Kathrin Bergenthal, Director Content Services bei der IMC, dem e-Learning-Anbieter. „In einem halbtägigen Präsenztraining wurde den Lafarge Mitarbeitern der Hintergrund der Kampagne vermittelt, konnten sie das Spiel testen, in einer Gruppenarbeit ausgewählte Sicherheitsaspekte erörtern und die Ergebnisse dann abschließend diskutieren. Auf diese Weise erhielten alle einen Zugang zum Lernziel“.
Besonderes Interesse weckte in diesen Schulungen das bereits erwähnte, im Format DIN A2 gehaltene Brettspiel „Jungle Game“, das zwei bis sechs Personen mit einem Würfel spielen können. Insgesamt 100 Fragen zur IT-Sicherheit sind auf den rund 50 Spielkarten formuliert. Bei richtiger Beantwortung gibt es einen bis fünf Punkte. Sieger ist, wer als erster 20 Punkte gesammelt hat.
Beim Design des Spiels ließen sich die Entwickler der IMC vom für die fernöstliche Region typischen tropischen Dschungel inspirieren: Moskitos und Blutegel stehen für Computerviren und Würmer, Regenwolken stellen den Bezug zum Cloud Computing her, Spinnennetze verdeutlichen Schwächen in IT-Netzwerken und ein Bustrip in den Dschungel thematisiert das „Shoulder Surfing“, das Ausspähen von Bildschirminhalten über die Schulter des Anwenders hinweg.
Analoge Brettspiele stellen dabei einen originellen neuen Zugangsweg zu Inhalten der IT-Sicherheit für Endanwender in den Unternehmen dar. Diesem Instrument dürfte daher künftig bei der Gestaltung von Awareness-Kampagnen zur Informationssicherheit in Organisationen sicherlich noch einige Aufmerksamkeit zukommen.
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Verfasst von Guido Strunck
17. Januar 2011
Vor einigen Tagen feierte die Wikipedia ihr zehnjähriges Bestehen. Sie ist das wohl größte nichtkommerzielle Internetprojekt und ein fester Bestandteil der Internetnutzung vieler Menschen.
Die ihr zugrunde liegende Wiki-Technologie zur einfachen Realisierung von Hypertextsystemen hat sich erst recht immens verbreitet. In vielen Unternehmen werden Projektinformationen nicht mehr per Redaktionssystem ins Intranet gestellt sondern per Wiki. Und im WWW finden sich für immer mehr Interessensgruppen und –lagen entsprechende Wikis.
Seit einigen Monaten hat nun auch die deutschsprachige Sicherheits-Community ihr Wiki – die Secupedia. Der SecuMedia-Verlag, der u.a. die Fachzeitschrift „<kes>“ sowie den IT-Grundschutz-Infobrief herausgibt, hat in Kooperation mit mehreren Fachverbänden ein Wiki für an Sicherheitsthemen Interessierte ins Netz gestellt. Die Erstbefüllung erfolgte mit den Inhalten des „Sicherheitsjahrbuches“, einem Nachschlagewerk der Sicherheitsbranche. Es bietet etwa 1.600 Begriffe der IT- und Unternehmenssicherheit, die unter einer CC-Lizenz (CC BY-NC-SA 3.0) frei im Netz verfügbar stehen (das Buch ist nach wie vor als Printversion für 25 € erhältlich). Geplant ist, die Informationen der Secupedia um weitere Inhalte wie Checklisten, Kalender für fachbezogene Veranstaltungen, Videos und Webinare zu ergänzen.
Die Secupedia-Inhalte können auch von Dritten bearbeitet werden, wobei jedoch Klarnamen der Verfasser mit veröffentlicht werden und eine redaktionelle Qualitätssicherung etabliert wurde, um die Güte der Inhalte nachvollziehbar zu machen. Eine gute Gelegenheit für Sicherheitsexperten, sich im Internet fachlich zu positionieren.
Ein mit Sicherheit interessantes Projekt, dass es im Auge zu behalten gilt.
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Verfasst von Guido Strunck
31. Dezember 2010
So könnte man den Gang der Dinge bei der Softwareentwicklung, eigentlich aber bei fast jedem ingenieurshaft angegangenen Entwicklungsprojekt beschreiben. Daher gewinnt das Anforderungsmanagement im Systementwicklungsprozess auch laufend an Bedeutung. Denn der 10er-Regel der Fehlerkosten folgend, verzehnfachen sich die Kosten der Behebung von Fehlern mit jeder weiteren Projektphase in etwa. D.h. möglichst viele Fehler gleich zu Beginn des Projekts durch systematisches Vorgehen zu vermeiden, kann immense Summen Geld einsparen (oder im Falle des Unterlassens verschlingen).
Das macht das Anforderungsmanagement zu einer wichtigen Disziplin für all jene, die sich mit Aspekten der Informationssicherheit oder der Qualität von Softwareprodukten befassen. Anforderungen sind die Grundlage für alle Eigenschaften des späteren Produkts (zumindest sollten sie es sein). Anforderungen können Gegenstand späterer Prüfungen des Produktes sein und bilden die Grundlage für das Testmanagement zur Erstellung und Auswahl von Teststrategien und Testfällen. Im Bereich der Produktdokumentation bilden die Anforderungen den Kern des später zu Dokumentierenden und sind Basis für Anwenderschulungen. Auch die spätere Wartung und Weiterentwicklung des laufenden IT-Systems ist auf gut dokumentierte Anforderungen angewiesen.
Daher kann man sich bereits seit geraumer Zeit im Bereich des Anforderungsmanagements nicht nur fortbilden sondern auch ein Fachzertifikat, den „Certified Professional for Requirements Engineering (CPRE)“ mit Prüfung und Siegel erwerben, das auf einem Lehrplan basiert, der vom International Requirements Engineering Board (IREB) e.V. entwickelt wurde. Einem Verband, der sich mit der Kodifizierung von etablierten „best practices“ in diesem Teilbereich der Softwareentwicklung beschäftigt.
Zu den „Klassikern“ der Probleme beim Umgang mit Anforderungen zählen ungenaue, unvollständige, in sich widersprüchliche oder auch gar nicht vorhandene Anforderungen. Beispielsweise weil bei der Produktplanung wichtige Beteiligte übergangen wurden. Weil Dinge als selbstverständlich vorausgesetzt und daher nicht weiter erwähnt wurden. Weil das mit dem Produkt zu lösende Problem nicht wirklich verstanden wurde. Oder weil man es mal wieder zu eilig hatte – „husch husch – time to market – profit profit“ – und daher zu wenig in die konzeptionellen Vorarbeiten der Produktentwicklung investiert hatte. Daher gibt es auch regelmäßig Studien (wie z.B. den sog. „Chaos Report“ der Standish Group), die sich mit den Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren in IT-Projekten beschäftigen und dabei regelmäßig die Bedeutung guten Anforderungsmanagements und guten Projektmanagements unterstreichen.
Grundsätzlich hat ein Anforderungsmanager vier Aufgaben, denen er sich zu widmen hat. Er soll Anforderungen erheben, dokumentieren, sie prüfen und mit den Beteiligten abstimmen sowie sinnvoll verwalten und verfügbar machen. Dort wo es die Rolle des Anforderungsmanagers nicht in Reinform gibt, fallen diese Aufgaben den Entwicklern, IT-Architekten, Projektleitern, Produktverantwortlichen etc. zu, was häufig nicht unbedingt zu ihrer vollständigen und zufriedenstellenden Erledigung beiträgt. Zumal ein Anforderungsmanager eigentlich weniger ein technischer Spezialist als ein Experte im Gebiet der Schlüsselqualifikationen und der Methodenkompetenz ist. Denn ihm fallen die „menschlichen Aspekte“ der Produktplanung zu: Er soll die Beteiligten des Vorhabens ausfindig machen, mit ihnen reden und sich so ein Gesamtbild des zu entwickelnden Softwareproduktes verschaffen. Und es so aufbereiten, dass die Entwickler darauf basierend etwas Brauchbares entwickeln können.
Anforderungsmanagern fällt somit die „Verwaltungswirtschaft“ der Softwareentwicklung zu, da ein Großteil ihrer Arbeit aus dem bereits erwähnten Erheben, Dokumentieren, Prüfen und Abstimmen sowie dem Verwalten der Anforderungen, mithin also aus dokumenten- und personenorientierter Arbeit besteht.
Dort wo Softwareentwicklung aber vom „Handwerk“ zur Ingenieurstätigkeit werden soll, also einem Industrialisierungsprozess unterliegt, kommt man um das Anforderungsmanagement ebenso wenig herum wie um das Plänezeichnen und Prototypenbauen im Automobilbau.
Zumal vollständige, konsistente und genau spezifizierte Anforderungen wie bereits erwähnte die Grundlage für testbare Produkte und prüfbare Prozesse zu deren Entwicklung bilden – somit also die Basis der Qualitätssicherung bilden. Zumal so aus Anforderungen auf dem Papier ausführbarer Testfallcode oder die Grundlage einer sicherheitstechnischen Bewertung des fertigen Softwareproduktes werden kann.
Do wo genau findet das Anforderungsmanagement denn statt?
Bei „klassischen“ Vorgehensmodellen der Softwareentwicklung wie z.B. dem V-Modell XT ist das Anforderungsmanagement eine klar definierte Phase, die der Entwicklung vorangeht und die Basis des zu entwickelnden Systems bildet. Zu einem bestimmten, vorab festgelegten Zeitpunkt wird der Stand der Anforderungen „eingefroren“ und bildet die Ausgangsbasis der weiteren Entwicklungsphasen. Später noch hinzukommende Änderungswünsche werden als genau das behandelt: Änderungswünsche, welche zu nachträglichen Änderungen der Planung und Kostenkalkulation führen können.
Im Gegensatz dazu ist das Anforderungsmanagement bei „agilen“ Vorgehensmodellen wie SCRUM ein Begleitprozess der Entwicklung und es werden nur jeweils die erforderlichen Anforderungen für den nächsten Teilabschnitt in der Entwicklung durch iteratives Vorgehen, inkrementelle Fortschreibung und Präzisierung abschlussfertig ausgearbeitet und umgesetzt.
Doch das Anforderungsmanagement trägt auch auf weitere Weise zu einer besseren Softwarequalität bei. So gilt es z.B. auch die Anforderungen an sich hinsichtlich Inhalt, Abgestimmtheit und Dokumentation qualitätszusichern und dabei Methoden des Qualitätsmanagements wie Beteiligung der Betroffenen, Mehraugenprinzip, Trennung von Fehlersuche und Fehlerkorrektur oder auch Prüfung aus unterschiedlichen Perspektiven anzuwenden. Nicht nur Code sondern bereits die dokumentierten Anforderungen an das spätere System lassen sich durch formale Methoden wie Audits, Inspektionen, Walkthroughs oder Reviews prüfen.
Doch woher kann man als im Bereich IT-Sicherheit und / oder Softwarequalität Tätiger das Know-how zu diesem breiten Thema nehmen? Beginnen kann man mit einschlägiger Fachliteratur, für ein tieferes Eindringen in das Thema Anforderungsmanagement kann ein entsprechendes Seminar oder eine Zertifizierung wie das bereits erwähnte IREB-Zertifikat sinnvoll sein. Letztlich entscheidend dürften dann aber die Erfahrungen der gelebten Projektpraxis „im Feldeinsatz“ werden.
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IT-Sicherheit, Softwarequalität | Mit Tag(s) versehen: Agile Methoden, Anforderungsmanagement, Audit, Fortbildung, funktionale Sicherheit, Funktionalität, Gebrauchstauglichkeit, International Requirements Engineering Board (IREB), IT-Sicherheit, Projektmanagement, Qualifizierung, Requirements Engineering, SCRUM, Software, Softwareentwicklung, Softwarequalität, Softwarequalitätssicherung, Softwaretest, Spezifikation, Standard, Testmanagement, Usability, V-Modell XT, Vorgehensmodell, Wartbarkeit, Weiterbildung, Zertifizierung |
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