Die BSI-Schwachstellenampel für Mängel in Softwareprodukten

29. April 2012

Verbraucherschützer fordern sie schon länger: Die Ampel aus deren Rot-Gelb-Grün-Schema man leicht nachvollziehen kann, wie es um die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, das Hygieneverständnis von Gastronomen usw. bestellt ist. Und Wirtschaftslobbyisten arbeiteten in der Vergangenheit ebenso vehement wie erfolgreich dagegen an. Die Ampel sei zu einfach, zu grob und überhaupt schade zu viel Transparenz dem Geschäft und würde Verbraucher nur verunsichern.

Währenddessen hat kürzlich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein solches Ampelsystem zur Bewertung von Schwachstellen in verbreiteten Softwareprodukten veröffentlicht. Im Rahmen der sog. „BSI-Analysen zur Cyber-Sicherheit“ soll dieser Ampel-Indikator einen raschen Überblick über Sicherheit und Qualität der so gerateten Softwareprodukte geben. Derzeit werden für die Schwachstellenampel Sicherheitslücken in Produkten dieser Hersteller berücksichtigt:

•    Adobe Systems (Adobe Reader, Adobe Acrobat und Adobe Flash Player)
•    Apple Inc. (OS X, Safari und Quicktime)
•    Google Inc. (Google Chrome)
•    der Linux-Kernel
•    Microsoft Corporation (Windows, Office und Internet Explorer)
•    Mozilla Foundation (Firefox und Thunderbird)
•    Oracle Corporation (Java Development Kit (JDK) und Java Runtime Environment (JRE))

Das BSI ist der wohl zutreffenden Ansicht, dass Mängel in diesen Produkten aufgrund deren weiten Verbreitung in Unternehmen, Behörden sowie bei Privatanwendern potenziell schwerwiegende und flächendeckende IT-Sicherheitsvorfälle nach sich ziehen können. Die Behörde verfolgt daher u.a. auch den Lebenszyklus von Schwachstellen von der Entdeckung bis zur Beseitigung mit.

Daher bewertet es im Rahmen einer regelmäßig aktualisierten Schwachstellenampel offene Schwachstellen sowie deren Schweregrad auf einer 10er-Skala und visualisiert das entsprechend. Die Schwachstellenampel wird vom BSI regelmäßig aktualisiert. Die Termine der Aktualisierungen orientieren sich dabei hauptsächlich an den Patchdays und Aktualisierungszyklen der Anbieter. Zusätzlich werden Links auf weiterführende Sicherheitshinweise der Hersteller angeboten.

In dieser Form bietet die BSI-Schwachstellenampel einen guten ersten Überblick zur Sicherheits- und Qualitätslage von verbreiteter Standardsoftware. Wobei auffällt, wie gut vor allem quelloffene Open-Source-Produkte wie der Linux-Kernel oder Firefox und Thunderbird abschneiden. In jedem Fall kann so Druck auf die Hersteller entstehen, verstärkt auf die Sicherheit und die generelle Qualität ihrer Softwareprodukte zu achten.


Klemmt bald ein Trojaner Tausende vom Internet ab?

15. Januar 2012

Im November letzten Jahres konnte das amerikanische FBI einen großen Ermittlungserfolg verzeichnen. Im Rahmen der multinational koordinierten Operation „Ghost Click“ gelang es ein Bot-Netz mit ca. vier Millionen von zusammengeräuberten Rechnern verteilt auf ca. 100 Ländern durch Einnahme der C&C-Server in New York stillzulegen.

Über einen Trojaner namens „DNS-Changer“ wurden die Rückmeldungen aus DNS-Abfragen auf den betroffenen Rechnern so manipuliert, dass sie zu den C&C-Servern des Botnetzes statt auf reguläre DNS-Server führten. Im Code von DNS-Changer fand man u.a. eine IP-Adresse, die zum Netzwerk des estnischen Providers Esthost gehörte. Esthost ist ein Tochterunternehmen von Rove Digital. Unter den vom FBI im November verhafteten Personen befand sich auch eine Führungskraft von Rove Digital. Laut der IT-Sicherheitsfirma Trend Micro sei bereits 2008 bekannt gewesen, dass das Unternehmen diverse kriminelle Kunden habe. Man habe diese Informationen aber vor der Öffentlichkeit zurückgehalten, um die Arbeit der Ermittlungsbehörden nicht zu stören.

Die gut Hundert vom FBI in New York in einem Rechenzentrum sichergestellten Server wurden zunächst weiter betrieben, auch wenn keine Botnetz-Aktivitäten mehr darüber abgewickelt werden. Doch am 8. März sollen die noch verbliebenen Botnetz-Server endgültig vom Netz gehen. Damit den infizierten Bots dadurch mangels korrekter DNS-Serververbindung nicht dasselbe wiederfährt, wäre es für deren Besitzer inzwischen an der Zeit, zu klären ob sie mit „DNS-Changer“ infizierte Rechner haben oder nicht.

Daher hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammen mit der Telekom unter www.dns-ok.de eine Schnelltest-Website eingerichtet, mit der man prüfen kann, ob der eigene Rechner befallen ist oder nicht. Dabei wird keine Software gestartet oder heruntergeladen. Die Seite überprüft nur, ob der eigene Rechner über einen der DNS-Server des Bot-Netzes geleitet wird oder nicht.

Ist das aber der Fall werden die Dinge schwierig. Zwar können viele Antivirenprogramme wie z.B. der kostenlose DE-Cleaner des Anti-Botnet-Beratungszentrums den DNS-Changer deaktivieren. Da sich dieser Trojaner jedoch per Rootkit-Funktionen sehr tief im befallenen System verankert, kann er oftmals nicht mehr rückstandsfrei entsorgt werden. Die verbleibenden Schadcodereste stellen jedoch ein Sicherheitsrisiko dar, das man nur noch durch ein komplettes Neuinstallieren des betroffenen Systems wieder los wird.


Das Problem mit den Updates

23. Oktober 2011

Der Grad an relativer Sicherheit bzgl. Gefahren durch Schadsoftware auf dem eigenen PC hängt stark damit zusammen, in wie weit man dafür sorgt, dass das verwendete Betriebssystem sowie die installierte Software jeweils auf dem aktuellsten Stand ist.

Hersteller verbreiteter Softwareprodukte werden laufend auf Schwachstellen, Fehler u.ä. ihrer Programme hingewiesen. Manche davon so gravierend, dass rasche Updates ausgeliefert werden müssen.

Am besten stehen da die Nutzer von Linux da. Linux bringt eine Paketverwaltung mit, die ohne weitere Aktivität des Anwenders Buch darüber führt, ob alle installierten Pakete aktuell sind, ob Updates vorliegen und eingespielt werden müssen und ob das Austauschen einzelner Komponenten währen eines Aktualisierungslaufs andere Programme in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt (Abhängigkeitsauflösung).

Das fehlt bei Windows. Windows kann zwar so konfiguriert werden, dass es die regelmäßig veröffentlichten Updates für Microsoft-Produkte selbsttätig findet, herunterlädt und installiert – für die diversen sonstigen auf dem Rechner installierten Anwendungen leistet es das jedoch nicht. Darum hätte sich der Nutzer selbst zu kümmern (bzw. den hoffentlich vorhandenen und aktivierten Auto-Update-Funktionen seiner Programme zu vertrauen). Abhängigkeitsauflösungen und Kompatibilitätstest auf Verträglichkeit einzelner Updates mit anderen, bereits vorhandenen Programmen gibt es erst recht nicht.

Doch gerade aus der Sicherheitsperspektive betrachtet, ist es sehr wichtig, dass veraltete oder als mit bekannten Schwachstellen belastete Software zügig ersetzt wird. Für die Programmierer von Schadsoftware sind speziell Browser und verbreitete Anzeigeprogramme für Mediendateien ein beliebtes Angriffsziel. Sie sind auf fast allen Rechnern vorhanden, arbeiten überall in gleicher Weise und können so Schadcode den Zugriff auf den vollen Rechner eröffnen. Ein Großteil aller entdeckten Schwachstellen entfällt dabei auf nur wenige, dafür aber sehr weit verbreitete Softwareprodukte.

In Unternehmen mit zahlreichen windowsbasierten Arbeitsplatzrechnern werden daher kommerzielle Softwareverteil- und -paketiersysteme eingesetzt und die genutzten Softwarebestände im Rahmen von geregelten Release- & Rollout-Management-Prozessen verwaltet und aktuell gehalten.

Für Privatanwender bietet die Firma Secunia mit dem kostenlosem Personal Software Inspector (PSI) ein meiner Ansicht nach sehr nützliches Programm zum Download an. Der PSI inventarisiert nach dem ersten Start die auf dem PC vorhandenen Programme und gleich deren Versionsstände mit seiner Versionsdatenbank ab. Auf diese Weise entdeckt er schon rasch veraltete Programme, mehrere parallel installierte Versionen und andere potentielle Sicherheitsdefizite. Für die meisten bietet er auch gleich Links an, um Updates für die betroffenen Programme von den Webseiten der jeweiligen Anbieter herunterzuladen. Manche kann PSI sogar selbsttätig finden und einspielen. Auf diese Weise kann das im Hintergrund laufende Programm dazu genutzt werden, den Rechner automatisch mit Updates der gängigsten Programme versorgen zu lassen, sobald diese veröffentlicht werden. Ein manuelles Nachführen ist dann nicht mehr notwendig.

Leider bringt nicht jedes obsolet gewordene Programm einen eigenen Uninstaller mit. Und die Softwareverwaltung von Windows ist beim „Aufräumen“ nicht immer allzu gründlich. Oft bleiben auch nach einer Deinstallation noch Dateien, Verzeichnisse und Registrierdateneinträge übrig. Das ist zwar im Zeitalter der Terabyte-Festplatten bzgl. des belegten Plattenspeichers kein echtes Platzproblem. Allerdings kann jedes auf dem Rechner vorhandenes Stück Software ein potenzielles Einfallstor für Angriffe per Schadcode werden.

Wer die PC-Hygiene daher sorgfältiger betreiben will, kann dazu auf die ebenfalls kostenlosen Tool Revo Uninstaller (kostenlose Basisversion, deinstalliert Programme) und CCleaner (findet und beseitigt Datenmüll) einsetzen. Für Schadsoftware wird es auf einem solchermaßen aktuell gehaltenen Rechner deutlich schwieriger, sich festzusetzen.


Wenn Programmierer sich zum Affen machen

9. Oktober 2011

„Easter Eggs“ sind kleine Überraschungen, die Programmierer in den Code ihrer Programme einbauen. Oftmals schwer zugänglich, z.B. durch exotische Tastenkombinationen, die nur in bestimmten Situationen funktionieren, erzeugen sie oft unerwartete und meistens witzige Effekte. So enthielt Microsofts weit verbreitete Tabellenkalkulation Excel lange Zeit einen kleinen Flugsimulator. Diese „Ostereier“ im Programmcode stellen aber auch ein Sicherheitsrisiko dar, da sie ja versteckt und an jeder Form von Qualitätskontrolle durch Testen, Reviews usw. vorbei implementiert wurden.

Wer daher nach potentiellen Schwachstellen in Programmen sucht, hält meist auch nach solchen Ostereiern Ausschau. Das taten wohl auch die Stuxnet-Entwickler sowie andere, an den programmtechnischen Innereien von Prozessrechnern aus dem Hause Siemens interessierte Leute. Die Siemens-Geräte rückten ins Blickfeld, nachdem bekannt wurde, dass man über Manipulationen dieser i.d.R. eher schlecht gesicherten Rechner teure Technik in Kraftwerken oder Produktionsanlagen über gezielte Veränderung der zulässigen Betriebsparameter angreifen kann.

So stellten experimentierfreudige Hacker auf der letzten Black-Hat-Konferenz in Las Vegas ihre Erkenntnisse beim Hacken von Industriesteuerungsanlagen von Siemens vor. In Geräten der Serie Simatic S7-300 fanden sie sogar hartcodierte Nutzer und Passwörter. „Ich konnte mich per telnet und http einloggen, den Speicher auslesen, Dateien löschen und Befehle geben“, so Dillon Beresford, der dieses Sicherheitsleck entdeckte.

Wie viele der Anlagen von Sicherheitsproblemen betroffen sind, ist kaum abzuschätzen. Die Simatic-Anlagen gelten weltweit als Standard für die Steuerung industrieller Prozesse aller Art. Neben den fest vergebenen Passwörtern hat Beresford allerdings noch ein Dutzend weiterer Sicherheitslücken in den Siemens-Kontrollanlagen entdeckt. Er konnte zeigen, wie sich die Systeme so manipulieren lassen, dass sie falsche Kommandos ausführen oder verfälschte Daten an ihre Leitstellen schicken.

Aus Sicht von Siemens wären nur bestimmte, ältere Geräte mit einer nicht mehr aktuellen Firmware betroffen. Allerdings werden solche Prozesssteuerungsanlagen nicht wie PCs in kurzen Abständen gepatcht, wenn ein Leck auftaucht. Stattdessen werden an die Software generell höhere Ansprüche hinsichtlich Qualitätseigenschaften gestellt. Ansonsten wäre ihr Betrieb im hochregulierten Industrieumfeld auch gar nicht genehmigungsfähig.

Neben den Sicherheitslücken fand Beresford allerdings noch ein klassisches „Easter Egg“ in der Siemens-Software. Programmierer hatten darin eine rote Website untergebracht, auf der Zeichnungen von spielenden Affen zu sehen sind und der Satz „Nix hören, nix arbeite, einfach nur…“. Ein Zeichen davon, was sie von der Siemens-Kultur in dem von Shareholder-Value und managerialer Übersteuerung geprägten Konzern hielten?

Ob sich dieser Programmierscherz aufgrund darin enthaltener Schwachstellen dazu benutzen lässt, um Schadcode in die Maschinen einzuschmuggeln, ist noch unklar. Das Siemens-Management allerdings habe sehr aufgeregt reagiert, als Beresford dem Unternehmen von seinem kuriosen Fund berichtete, wie er in einem Wired-Interview erklärte: „Sie waren nicht gerade glücklich.“


Sind Polizeicomputer wirklich sicher?

4. September 2011

Die Anzahl bekannt gewordener erfolgreicher Angriffe auf die IT großer Unternehmen und staatlicher Institutionen hat seit Jahresanfang „gefühlt“ deutlich zugenommen. Kürzlich hat es auch die Bundespolizei erwischt. Im Juli waren Hacker, die sich selbst der „No Name Group“ zurechnen, in einen Server des Zolls eingedrungen, der als Software-Downloadrechner zur behördeninternen Verteilung von Software-Updates eingesetzt wurde. So konnten sie durch die Einspeisung manipulierter Updates ein verteiltes System zur Ermittlungsunterstützung und Zielverfolgung angreifen und daraus Daten kopieren. Dazu zählten u.a. Bewegungsprofile und Positionsdaten von GPS-Peilsendern an den Fahrzeugen überwachter Personen. Die Hacker stellten diese Daten anschließend ins Internet, die Polizei musste die Nutzung der betroffenen Systeme vorübergehend einstellen und einen außerplanmäßigen Sicherheitsaudit durchführen.

Unklar ist, ob es sich dabei tatsächlich um Daten aus Ermittlungsverfahren handelt, bei denen ein Richter die Überwachung Verdächtiger erlaubt hat. Denkbar wäre zum Beispiel auch, dass die Behörden eine neue Software zur Analyse von Bewegungsprofilen in einem Feldversuch getestet haben, wie Spiegel Online vermutete.

Zwischenzeitlich konnten die intensiv ermittelnden Ordnungshüter mehrere Verdächtige festnehmen, darunter auch der Hacker „Darkhammer“, der sich in der Hacktivistenszene bereits im Zusammenhang mit Hackerangriffen auf NPD-Websites einen Namen machte.

Das wirft die Frage auf, wie sicher die IT-Systeme von Behörden eigentlich sind, die als Folge der Versicherheitsstaatlichung Deutschland immer mehr und immer sensiblere Daten der Bürger beinhalten. So hatten bereits 2010 Hacker Systeme des Zolls angegriffen und mit Trojanern infiziert, was trotz vorhandener Virenschutzsoftware erst Mitte 2011 bemerkt wurde.

Die bereits erwähne Revision der Zollsystem ergab jedenfalls gravierende Mängel, wie es in einem vertraulichen Bericht heißt, der seinen Weg in die Spiegel-Redaktion fand. Veraltete Hardware und Software, nicht vorhandene oder unzureichend ausgelegte Sicherheitssysteme, Mängel im technischen Datenschutz – und das in einem System, welches sensible Daten über verdeckte Ermittler, V-Leute und geheime Operationen enthält.

Neben der Technik fehlt es der Bundespolizei aber wohl auch am qualifizierten Personal. So fehlten an Schlüsselpositionen geeignete Mitarbeiter, die Fehler feststellen und beheben könnten. Dazu aber wären sie, dem Revisionsbericht zufolge aber wegen mangelhafter Systemdokumentation ohnehin kaum in der Lage. Hinzu kämen Defizite im Konfigurations- und Rechtemanagement, in der Zugriffsprotokollierung, in der Handhabung mobiler Datenträger sowie beim Fernzugriff, der über unverschlüsselte Klartextprotokolle abgewickelt würde.

Und so kamen die Prüfer zu dem vernichtenden Ergebnis, dass Hacker nach wie vor in das Polizeinetz eindringen könnten, um dort relativ einfach an geheime Daten gelangen, die Software manipulieren und systemrelevante Einstellungen verändern zu können.

Doch warum ist das so?

Der Kern des Problems dürfte schlicht darin bestehen, dass es der Bundespolizei am Budget für angemessene Ausstattung auf aktuellem Stand der Technik fehlt. Und dass entsprechend qualifizierte Sicherheitsexperten gehaltstechnisch kaum noch in die Tarif- und Besoldungssysteme des öffentlichen Dienstes einzupassen sind, während gleichzeitig Personaleinsparungen und Haushaltskonsolidierungen laufen. Ein Zielkonflikt, der künftig häufiger zu Kollateralschäden in Form gehackter Rechner und abhanden gekommender Behördendaten führen dürfte.


Cyber-War und Cyber-Abwehr

17. Juli 2011

In den letzten Monaten nahm die medial gefühlte Aktivität von Hackergruppen weltweit zu. Allerdings sagen die Jahresberichte diverser mit Fragen der IT-Sicherheit befassten Institutionen ebenfalls seit Längerem solche Entwicklungen voraus. Das macht IT-Sicherheit zunehmend zu einem politischen Thema, so dass Staaten Institutionen aufbauen, die sich mit dem Schutz kritischer Infrastrukturen sowie möglichen Krisenreaktions- und Gefahrenabwehrstrategien befassen sollen.

Dazu zählt auch das in Deutschland von Bundesinnenminister Friedrich kürzlich eingeweihte Nationale Cyber-Abwehrzentrum (NCAZ), das bundesweit Informationen über IT-Sicherheitsvorfälle zu bewerten und abgestimmte Handlungsempfehlungen entwickeln soll und mit zunächst zehn Beschäftigten startet. Es wird vom Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit direkter Beteiligung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) und des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sowie dem Bundeskriminalamt (BKA), der Bundespolizei (BPol), dem Zollkriminalamt (ZKA), der Bundesnachrichtendienst (BND) sowie der Bundeswehr als assoziierte (zuarbeitende) Behörden gebildet.

Wobei die Bundeswehr bereits seit 2009 eine in der Tomburg-Kaserne in Rheinbach nahe Bonn stationierte Einheit „Informations- und Computernetzwerkoperationen“ unterhält, in der Soldaten für  digitale Angriffs- und Abwehroperationen vorbereitet werden. Sie wurden meist aus den Fachbereichen für Informatik an den Bundeswehruniversitäten rekrutiert und sollen der Armee operative Handlungsfähigkeit für kommende Internet-Konflikte geben, wie sie z.B. Estland bereits 2007 mit massiven dDOS-Attacken auf die Webserver öffentlicher Einrichtungen erlebte.

Hinzu kommt das CERTBw, eine Einheit die für die zentrale Überwachung der IT-Sicherheit der Bundeswehr zuständig ist und die ebenfalls mit etlichen anderen Behörden des zivilen Bereichs wie der Bundespolizei und dem BSI kooperiert. Zumindest informationstechnisch ist die Trennung zwischen Armee und Zivilsektor sowie die relative Inaktivität der Bundeswehr im Inneren längst Geschichte. Auch international haben sich die Streitkräfte bereits vor Jahren vernetzt und führen auch gemeinsame „Cyber-Manöver“ durch.

Kernaufgabe der nationalen Cyber-Abwehr soll der Schutz kritischer Infrastrukturen sein, also Dinge wie Energieversorgung, Finanzwesen, Verkehrsleittechnik, Flugverkehr, medizinische Versorgung usw., deren Beeinträchtigung durch informationstechnische Attacken schwerwiegende Folgen für die Bevölkerung haben kann.

Allerdings werden diese Aktivitäten durchaus auch kritisch gesehen. Macht- und Informationsbündelungen beim Staat haben selten positive Folgen – zu sehr locken Missbrauchsmöglichkeiten die stets nach Zugang zu Macht und Mitteln strebenden politischen Eliten. Und gerade die deutschen Innenminister der letzten fünfzehn Jahre haben bekanntlich mehr grundgesetzwidrige Vorhaben von echter Bedeutung losgetreten als alle, im jährlich erscheinenden Verfassungsschutzbericht genannten Organisationen zusammengenommen.

Wenn dann noch Dinge hinzukommen, wie die „Kriegserklärung“ der fast-schon-pleitegegangenen US-Regierung, die kürzlich ankündigte, auf Cyber-Attacken ggf. mit dem Einsatz konventioneller Waffen zu reagieren, trägt das nicht eben dazu bei, an Vernunft und Maß in den Köpfen ohnehin oft mit netzpolitischen Themen überforderter Politiker zu glauben. Sahen doch schon in den 80ern die Macher des Spielfilms „War-Games“ voraus, dass jugendlicher Spieltrieb und lose sitzendes Schießgerät in den Händen von Politikern und Militärs ohne wirksame öffentliche Kontrolle keine allzu gute Idee sind (im Film konnte der dritte Weltkrieg eben noch so verhindert werden).

Zumal es im Internet kaum verlässlich festzustellen ist, woher ein Angreifer kommt und ob er im Dienste eines Staates oder für private Klienten tätig ist. So wäre es z.B. für chinesische Hacker problemlos möglich, über Rechner in Russland in deutsche Rechenzentren einzudringen und darüber Ziele in den USA oder sonstwo anzugreifen (was auch häufiger geschieht). Für Abwehrkräfte wird es da schwierig, klar zu erkennen wer der Feind ist und von wo aus er womit angreift. Militärische Denkschemata kommen da rasch an ihr Ende.

So wie es inzwischen private Söldnerfirma gibt, die Armeen mit Soldaten aufstocken, deren Tod auf dem Schlachtfeld für die Politiker zuhause keine negativen Konsequenzen hat, so ist es wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis private „Cyber-Söldner-Unternehmen“ von Hackern und Wirtschaftsspionen bedrohten Firmen informationstechnische Feuerkraft für verdeckte Operationen mit nicht immer ganz legaler Zielsetzung anbieten werden. Zumal wir ja auch in Deutschland bereits Datenmissbrauchsskandale wie z.B. 2008 bei der Telekom oder 2009 bei der Deutschen Bahn hatten, bei denen freidrehende interne Sicherheitsabteilungen eine gewichtige Rolle spielten.

Realweltlich beschäftigt sich die Cyber-Abwehr im öffentlichen Sektor aber mit gewöhnlicheren Problemen. So hat z.B. die Polizei, die bereits seit Jahren hart am Auf- und Ausbau ihrer IT-forensischen Aufklärung arbeitet, schlicht damit zu kämpfen, dass die benötigten IT-Spezialisten kaum sinnvoll in die öffentlich-rechtlichen Besoldungsschemata und Entgeltordnungen einzupassen sind. Denn deren Gehaltsansätze wurden lange Zeit nicht angemessen fortgeschrieben, so dass staatliche Institutionen auf Personalsuche immer häufiger von den Firmen überboten werden, von denen sie sich anschließend teure externe Berater einkaufen müssen, um ihre Projektteams aufzustocken. Ein Problem mit dem sich auch das neue Cyber-Abwehrzentrum bald herumschlagen dürfte.

Auch sich in der Asservatenkammer stapelnde, beschlagnahmte Festplatten aus Hausdurchsuchungen nach Kinderpornografie oder Urheberrechtsverletzungen durchzusehen, ist nicht unbedingt die Traumvorstellung eines Informatikers mit Hacker-Know-how, der vom Kampf gegen weltbedrohende Cyberkrieger träumt. Aber Drecksjobs und Tagesgeschäft gibt es eben überall.

Es bleibt also abzuwarten, wohin sich das Thema Cyber-Abwehr noch entwickelt. Festzuhalten bleibt, dass Deutschland mit seinem Cyber-Abwehrzentrum lediglich eine Entwicklung nachvollzieht, die in zahlreichen anderen Staaten bereits stattgefunden hat.


Hacker-Linux Backtrack 5 – Die neu bestückte Werkzeugkiste des IT-Sicherheitsexperten

5. Juni 2011

Es ist immer wieder erstaunlich, was die weltweite Open-Source-Community so möglich macht. Programmierumgebungen, Tools und andere Software, die noch vor wenigen Jahren nur für viel Geld (oder als illegale Kopie) erhältlich war, ist heute kostenlos für Jedermann verfügbar. Dazu zählt „Backtrack“, eine auf Ubuntu basierende Linux-Distribution speziell für Sicherheitsexperten, Pen-Tester und anderweitig an Security- und Hacker-Tools interessierten Leuten. Das bekannte Hacker-Linux ist kürzlich in der Version 5 „Revolution“ erschienen. Zahlreiche darin enthaltene Tools wurden runderneuert und auch Linux-Kernel (2.6.38) und sonstige Komponenten wurden auf den aktuellen Stand gebracht. Große Teile des zugrunde liegenden Systems wurden sogar komplett neu entwickelt und zusammengestellt, so dass ein Upgrade von Backtrack 4 zu Backtrack 5 nicht möglich ist. Zuviel hat sich „unter der Motorhaube“ getan, so dass man um eine Neuinstallation nicht herumkommt.

Auf www.backtrack-linux.org wird Backtrack 5 als ISO-Datei oder VMWare-Image für 32- und 64bit-Systeme angeboten. Wahlweise mit vorkonfigurierter KDE- oder Gnome-Oberfläche. Einmal auf DVD gebrannt, kann man Backtrack 5 als Live-System einsetzen oder auch direkt auf einem Rechner installieren. Oder Backtrack als virtualisierte Umgebung nutzen. Ein Blog, ein Wiki, ein Forum sowie ein Tutorials-Bereich bieten Tipps und Infos für den Einstieg an.

Backtrack 5 kann wie auch die vorherigen Versionen per Shell oder GUI bedient werden. In letzterer sind die zahlreichen Tools geordnet nach Kategorien abrufbar.

Die Backtrack-Entwicklergemeinde bezeichnet Backtrack als „das am weitesten verbreitete Framework für Penetrationstests, das weltweit von der Security-Community eingesetzt wird“. Was aufgrund der gut 350 darin enthaltenen Tools, darunter Spezialwerkzeuge zum Finden von Systemschwachstellen sowie für forensische Netzwerkanalysen, auch nicht verwundert.

Wie aber finanzieren die Backtrack-Entwickler ihr Dasein, wenn sie dieses dicke Softwarepaket einfach so verschenken? Die meisten sind selbst als IT-Sicherheitsberater tätig. Sie setzen ihr eigenes Werkzeug ein und gewinnen mit der weiteren Verbreitung der Backtrack-Distribution an fachlicher Reputation. Andere haben entdeckt, dass das Arbeiten mit Backtrack sowie der Einsatz aktueller Hackertechniken durchaus auch Gegenstand von Schulungen sein kann, die sie unter dem Label „Offensive Security“ anbieten.

Auch hier gilt wieder: Nicht alles was kostenlos erhältlich ist, darf auch überall ausprobiert werden! In Deutschland bewegt man sich damit dank des „Hackerparagraphen“ in einer rechtlichen Grauzone. Verwenden Sie die Werkzeuge von Backtrack daher nur im Zusammenhang mit Ihren eigenen Rechnern.

Für Hobbyhacker und Einsteiger in das Thema technische IT-Sicherheit empfiehlt sich daher zunächst ein rechtlich sicheres „Übungsgelände“. Auch dafür gibt es die passende Linux-Distro: Damn Vulnerable Linux (DVL). Mit der Distribution ist es möglich, ein System mit unterschiedlichsten Sicherheitslücken zu simulieren, mittels diverser Testprogramme zu überprüfen und letztendlich zu schließen. Sie wird üblicherweise im Umfeld von Schulungen für Sicherheitsexperten eingesetzt, kann aber auch zum Privatgebrauch verwendet werden. Für Sommer 2011 ist eine runderneuerte Version 2.0 von DVL angekündigt.


Sicherheitsexperten entdecken Leck in Android-Handys

22. Mai 2011

Smartphones mit dem zunehmend beliebter werdenden Android-Betriebssystem von Google erweisen sich im täglichen Gebraucht als etwas zu mitteilsam, wie deutsche Sicherheitsexperten kürzlich bekanntgaben. Sie melden sich automatisch und ohne Zutun ihres Nutzers in freien WLAN-Netzen an, in denen sie bereits einmal angemeldet waren, sobald das Gerät in die Funkreichweite des entsprechenden WLAN-Routers kommt. Steht die Verbindung, so wird ebenso automatisch eine Synchronisierung mit Google-Diensten wie Mail, Calender, Contacts, oder Picasa gestartet, wobei Authentifizierungsdaten (authToken) zum Teil sogar unverschlüsselt über eine einfache http-Verbindung gesendet werden. Diese Authentifizierungsdaten lassen sich am WLAN-Router mitschneiden (z.B. per Sniffer-Software) und können dann im Einzelfall für bis zu 14 Tage dazu benutzt werden, mit der Identität des Nutzers in dessen Google-Konten zu stöbern.

Auch Apps anderer Anbieter könnten von dem Problem betroffen sein, da nicht nur Google-eigene Apps dieses Anmeldesystem verwenden. So z.B. die Kalendersynchronisation des beliebten Mailprogramms Thunderbird der Mozilla Foundation.

„Der Informationsklau funktioniert besonders gut, wenn der Name des Netzwerks einem bekannten Anbieter ähnelt, also etwa T-Online“, so die Medieninformatiker Bastian Könings, Jens Nickels und Florian Schaub. Dazu reicht es nach Ansicht von Königs, die gut dokumentierten Google-Schnittstellen für externe Entwickler zu benutzen.

Dass mobile Geräte und beliebte Apps sensible Daten unverschlüsselt in die Welt hinausblasen, wird in Expertenkreisen bereits seit einiger Zeit zunehmend kritisch diskutiert.

Kurzfristig raten Fachleute Android-Nutzern zu folgenden Selbsthilfemaßnahmen:
•    Zügig auf die aktuellste Version 2.3.4. von Android updaten, in der das Problem so nicht mehr besteht.
•    Die automatische Datensynchronisation in den Einstellungen deaktivieren.
•    Die Liste bereits konnektierter WLAN-Netze im Handy regelmäßig löschen (nur auf der Liste befindliche Netze werden automatisch konnektiert).
•    Offene WLAN-Netze möglichst meiden, wenn datensensible Dienste und Apps genutzt werden.

Zumindest der erste Punkt der Empfehlungen ist für zahlreiche Smartphone-Nutzer jedoch gar nicht so leicht umsetzbar. Zwar ist Android ein (weitgehend) offenes System. Jedoch haben viele Smartphone-Hersteller ihre Geräte mit individuellen Oberflächen und Zusatzprogrammierungen „gebrandet“, so dass sie Upgrades des zugrunde liegenden Android-Betriebssystems nur zögerlich, falls überhaupt ausrollen. So ist derzeit ein ganzer Zoo von unterschiedlichen Android-Versionen im Markt unterwegs.

Doch es sind nicht nur Android-Handys betroffen. Grundsätzlich funktioniert die Methode, in offenen WLANs Daten mitzuschneiden und zweckzuentfremden auch bei anderen Mobilgeräten wie etwa Laptops, Navis oder Tablets, sofern diese Daten unverschlüsselt in den Äther blasen.

Inzwischen plant Google kurzfristig ein außerplanmäßiges Sicherheitsupdate an alle Android-Geräte zu verteilen und dabei nicht den Weg über die einzelnen Handyhersteller und Distributoren zu gehen. Der Patch soll die Kommunikation zwischen Gerät, WLAN-Router und mobilen Diensten verschlüsselt über das https-Protokoll abwickeln. Das allein ist jedoch nur die halbe Lösung, solange solche Kommunikationen versteckt im Hintergrund und ohne Kenntnis und Zustimmung des Benutzers ablaufen.


Wenn Daten zum Problem werden

8. Mai 2011

Die letzten zwei Wochen waren wieder sehr „gehaltreich“ für Leute, die sich mit Fragen der Informationssicherheit beschäftigen.

Zunächst entdeckten zwei Softwareentwickler, dass Apples Flaggschiffe iPad und iPhone vom Benutzer unbemerkt nahezu ständig Positionsdaten in einer lokalen Datenbank auf dem Gerät mitloggen und diese auch auf einen mit dem Gerät synchronisierten PC sowie über den Umweg von WLAN-Positionsabfragen auch auf Apple-Server hochladen. Und zwar auch dann, wenn der Benutzer entsprechende Funktionen in den Geräten deaktiviert hat. So entsteht eine Datenbank, welche zwar kein vollständiges Bewegungsprofil des Anwenders, jedoch die Koordinaten von WLAN-Routern und Mobilfunkzellen in seiner Nähe zusammen mit einem Zeitstempel enthält. Sie entwickelten daraufhin eine App namens iPhone Tracker, mit der sich diese Daten auslesen und auf einer Karte grafisch darstellen lassen.

Parallel kämpft Sony derzeit mit wiederholten Hackerangriffen und Datendiebstählen. Zunächst drangen Hacker in die Datenbanken des Playstation-Networks (PSN) und des Musik- und Filmedienstes Qriocity ein und konnten Datensätze von etwa 77 Millionen Nutzerkonten kopieren. Inhaltlich können diese Daten am Schwarzmarkt verkauft und später für gezieltes Spear-Phishing oder Kreditkartenbetrug verwendet werden. Einige Tage später wurde bekannt, dass auch 25 Millionen Nutzerdatensätze des kommerziellen Spiele-Netzwerks Sony Online Entertainment (SOE) abhanden kamen. Wohl bei demselben Raubzug. Schon vor Wochen hatte Sony aus der Szene Hinweise auf bestehende Sicherheitslücken erhalten. Der Konzern hatte diese jedoch ignoriert bzw. war sogar gerichtlich gegen einen Hacker und Homebrew-Programmierer vorgegangen, der es geschafft hatte, sicherheitskritische Teile seiner eigenen Playstation-3-Spielekonsole zu hacken und der dies öffentlich gemacht hatte. Statt den Mann einzustellen und zur weiteren Verbesserung der betreffenden Systemkomponenten einzusetzen, hatte Sony eine einstweilige Verfügung erwirkt, um ihm das Verbreiten seiner Erkenntnisse zu erschweren. Das haben andere Hackergruppen dem Konzern wohl nachhaltig verübelt.

Dann wurde bekannt, dass TomTom, ein Anbieter von Navigationssystemen, gespeicherte Verkehrsdaten der Nutzer an die niederländische Regierung verkauft hatte. So wertet Tomtoms Verkehrsinformationsdienst HD Traffic beispielsweise anonymisierte Bewegungsprofile von Navigationsgeräten mit Internetanbindung sowie von Smartphones mit Tomtom-App aus, um Staus möglichst früh zu erkennen und in die Navigation miteinzubeziehen. Dabei werden auch Daten wie Fahrgeschwindigkeitswerte übermittelt bzw. können durch Zeit/Ort-Differenzabgleich errechnet werden. Mit diesen Daten lassen sich Stellen im Straßennetz finden, wo besonders häufig gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen verstoßen wird und wo es daher lukrativ sein kann, „Blitzer“ aufzustellen. Obwohl aus Tomtoms Sicht legal und in verallgemeinerter Form sogar Bestandteil der Nutzungsbedingungen, zeigt diese „Zweitverwertung“ von Nutzerdaten doch, dass Daten auch ganz ohne Zutun von Hackern in falsche Hände gelangen können um dann den Nutzern zu schaden. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass Tomtom auch mit der australischen Regierung über solche „Datenzweitverwertungen“ verhandelt. Aus dem ersten Fehler wurde wohl nichts gelernt.

Vor kurzem musste Amazons Cloud-Service EC2 seinen Kunden gegenüber eingestehen, dass es nach einem mehrstündigen Systemausfall zu einem größeren, nicht mehr wiederherstellbaren Datenverlust gekommen ist. Der Dienst, der von Amazon mit dem Motto „Die Cloud, auf die Sie sich verlassen können“ beworben wird, hatte beim Wiederanlaufen mit nicht mehr behebbaren Inkonsistenzen in seinen Datensicherungen zu kämpfen. Wohl dem, der Alternativen in der Hinterhand hatte.

Manche Unternehmen sparen bei der IT-Sicherheit und werden daher Opfer von Hackerattacken, da es leicht ist, bei ihnen Daten abzugreifen. Andere hingegen praktizieren quasi-militärische Hochsicherheitsstandards – und werden ebenfalls Opfer von Hackern, die sich technologisch herausgefordert fühlen. Wieder andere versuchen wie Sony gegen kleinere Ärgernisse aus der Hackerszene gerichtlich vorzugehen. Mit der Konsequenz, dass sich daraus sehr große und rechtlich nicht mehr in den Griff zu bekommende Probleme entwickeln können. Und auch dort wo es aus der Perspektive der Informationssicherheit zu keinen nennenswerten Vorfällen kam, machen sich Probleme mit der Softwarequalität bemerkbar. So gab z.B. Apple bekannt, dass das Geodatenlogging im iPhone letztlich ein Programmierfehler gewesen sein soll. Auch wenn Apple bereits 2009 für etwas von der Idee her sehr Ähnliches ein US-Patent beantragt hat. Patentierte Fehler?

Was ist nun die gemeinsame Konsequenz all dieser Dinge?

Unternehmen nutzen (zu) viele Daten und betreiben (zu) datenintensive Geschäftsmodelle. Wer aber viele Daten nutzt, muss auch umfangreiche, teure und wegen ihrer Komplexität fehleranfällige Maßnahmen zu ihrer Absicherung mit einplanen. Und wird oftmals gleich vom Gesetzgeber zu entsprechender Vorsorge verpflichtet.

Daten haben in Unternehmen also nicht nur den Charakter eines wertvollen Besitzes oder eines notwendigen Produktionsfaktors. Sie werden auch zum Risiko und zum Kostenfaktor. Daher sollten sie nach Möglichkeit sehr sparsam verwendet werden. Geschäftsprozesse sollten den Prinzipien der Datensparsamkeit und Datenvermeidung Rechnung tragen, wie es das Bundesdatenschutzgesetz im §3a für personenbezogene Daten ohnehin fordert.

Es ist ein Stück weit ähnlich wie mit produktionsbezogenem Problemmüll. Er ist oft in hohem Maße giftig oder anderweitig schädlich, so dass er auf spezielle Art und Weise gesichert und entsorgt werden muss. Mehr Müll bedeutet dann höhere Kosten. Vermeidet man Müll, indem man im Produktionsprozess sparsamer und effizienter mit Rohstoffen umgeht, senkt das unmittelbar die Entsorgungskosten sowie die Prozesskosten für die Behandlung und Lagerung der giftigen oder strahlenden Abfälle.

Ähnlich verhält es sich mit den Datenvolumina, der Kritikalität von Daten sowie den Kosten zu ihrer informationstechnischen Absicherung. Auch hier bedeutet ein Weniger an Daten auch ein Weniger an Kosten. Gleichzeitig gehen Unternehmen, die schlampig mit Daten umgehen oder diese sehr einseitig zu ihren Gunsten nutzen, ähnliche Risiken für ihr Ansehen in der Öffentlichkeit ein, wie Firmen, die hochgiftige Abfälle einfach in den Fluss kippen oder auf dem Meer verklappen lassen.


Buchrezension: Web-Sicherheit – Wie Sie Ihre Anwendungen sicher vor Angriffen schützen

10. April 2011

Dieses von Sebastian Kübeck verfasste Buch aus dem mitp-Verlag befasst sich mit den Methoden sicherer Softwareentwicklung speziell für webbasierte Anwendungen. Die zugrunde liegenden Überlegungen  sind aber größtenteils auch auf andere Bereiche der Softwareentwicklung übertragbar. Das Buch richtet sich an Softwareentwickler, die sich noch nicht intensiver mit Informationssicherheit und dem Schreiben sicheren Codes befasst haben. Und die somit einen Einstieg in die Themen Informationssicherheit sowie Methoden sicherer Webentwicklung suchen. Aber auch Administratoren webbasierter Systeme können davon profitieren.

Das Buchh ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Informationssicherheit Grundkonzepte der IT-Sicherheit speziell aus der Sicht des Softwareentwicklers erläutert. Dazu zählen Dinge wie die Prinzipien sicherer Softwareentwicklung, Authentisierungsverfahren oder sichere Datenübermittlung durch den Einsatz kryptografischer Verfahren.

Teil zwei befasst sich mit häufig auftretenden Schwachstellen in Softwareprodukten sowie Wegen zu deren Vermeidung. Dazu zählen Filterung und Aufbereitung nahezu jeder Form von Eingabe durch Anwender, um z.B. Code-Injection- und Scripting-Angriffen vorzubeugen. Oder die Vermeidung von Webserver-Konfigurationen durch die Teile der Systemkonfiguration per Suchmaschine erfassbar (Google Hacking) oder durch manuelles Suchen (Path Traversal) erreichbar werden.

Oftmals beginnen Probleme mit der Applikationssicherheit jedoch bereits bei der Verwendung von altbewährten und weit verbreiteten Bibliotheksfunktionen gerade der C-Sprachen, welche direkte Speicherzugriffe ermöglichen und die aufgrund von Implementationsfehlern zu Sicherheitsproblemen wie Pufferüberläufen, Code Injection-Schwachstellen u.ä. führen und daher nicht mehr verwendet werden sollten.

Webanwendungen können auch anfällig für DDOS-Attacken werden, wenn sich in ihnen Code aufspüren lässt, der zu Speicherlecks, Endlosschleifen, Rekursionen mit fehlerhafter Abbruchbedingung führt oder der Wartezeiten auf (schwächere) nachgelagerte Systeme wie z.B. entfernte Datenbanken generiert.

Schließlich gibt Teil drei konkrete Tipps und Hinweise wie man durch qualitätssichernde Maßnahmen wie Pen-Tests, Code Reviews, Softwaretests sowie der Berücksichtigung von Prinzipien sicherer Entwicklung von Webapplikationen seine Software sicherer macht. Hier wird z.B. auch auf (meist quelloffene) Testing-Tools wie Schwachstellen-Scanner, Mustersucher für die Quellcodeanalyse oder Tools zur Testautomation eingegangen.

Stets werden die Erläuterungen im Buch von entsprechenden Codebeispielen (meist in Java oder Javascript sowie in SQL für Datenbankzugriffe) begleitet, in denen die problematischen Stellen nachvollziehbar erläutert werden.

Alles in allem ein  sehr lesenswertes Buch speziell für Softwareentwickler aber auch für generell am Thema sicherer Software interessierter IT-Fachleute. Wobei das Thema Entwicklung sicherer webbasierter Anwendungen gerade im Zeitalter von Cloud Computing und mobiler Apps drastisch an Bedeutung gewinnen dürfte.


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