Vor einigen Tagen versuchte Umar Farouk Abdulmutallab, ein Al-Quaida-Kämpfer aus dem Jemen, sich an Bord eines Verkehrsflugzeugs über den USA in die Luft zu sprengen. Nachdem Waffen und Bomben den Passagieren üblicherweise bereits beim Check-in abgenommen werden, hatte er eine kleine Portion Nitropenta (PETN) anal ins Flugzeug hineingeschmuggelt und dort kurz vor der Landung in Detroit gezündet. Doch die selbstgebaute „Arschbombe“ reichte nur für einen feurigen Furz und so kam der Flieger unbeschadet und die Passagiere mit dem Schrecken davon. Nun sitzt Abdulmutallab mit angesengtem Hinterteil in den USA ein und wird wohl als „Arschbomber“ in die Geschichte des Terrorismus eingehen.
Das brachte Sicherheitsbehörden inzwischen dazu, sich an eine umstrittene Überwachungstechnologie zu erinnern: die Nacktscanner. Denn mit ihnen glaubt man nicht nur nichtmetallische Waffen wie Kunststoffklingen und Pistolen aus Keramik rechtzeitig am Körper der Reisenden zu erkennen. Sondern auch Dinge in den Körpern der Durchleuchteten. Und in der Tat: Herzschrittmacher, Implantate und künstliche Hüftgelenke erkennen die Geräte problemlos.
Und gerade dieser Blick ins Intimste der gescannten Personen ist ein Kritikpunkt, der Scannergegner. Zudem einmal mehr eine neue zusätzliche Überwachungstechnologie nur pauschal mit Terrorgefahr und der Notwendigkeit, den Sicherheitsstaat technisch weiter aufzurüsten, begründet wird.
Während die Diskussion über die Nackscanner für etwa ein Jahr zur Ruhe kam, entwickelten die Hersteller ihre Geräte weiter und Sicherheitsbehörden testeten sie in Labors, um Sicherheitslücken sowie Möglichkeiten zur Gerätemanipulation zu entdecken und auszuräumen. Nach der Vorlage ihrer Ergebnisse, änderten Politiker wie Wolfgang Bosbach(CDU) und Gisela Piltz (FDP) ihre kritische Haltung zu den Geräten.
Sollte es möglich sein, diese Geräte so zu konstruieren, dass beispielsweise die Intimsphäre geschützt ist, dann könnte man über Nacktscanner nachdenken, da es die Sicherheit der Flugpassagiere maßgeblich verbessern würde, so Bosbach in einem Interview mit der Tagesschau. Noch vor einem Jahr lehnte er die Scanner als weitgehenden Eingriff in die Privat- und in die Intimsphäre der Flugpassagiere ab. Und Frau Piltz schränkte in einem Zeitungsinterview ihre Ablehnung der Scanner auf die erste, mittlerweile überholte Gerätegeneration ein. Und auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigt sich offen für den Einsatz von Körperscannern auf deutschen Flughäfen. Zumal die Niederlande beschlossen hat, in den nächsten Wochen die Körperscanner auf niederländischen Flughäfen einzuführen.
Zudem wurden manche Scanner weiter automatisiert. Statt Sicherheitspersonal wertet nun der Computer die gescannen Bilder aus (und soll sie anschließend löschen). Entdeckt er etwas Verdächtiges, greifen Sicherheitsleute ein und durchsuchen manuell – so wie heute bereits üblich. Wenn das alles so stimmt, wären etliche Argumente der Scannergegner entkräftet. Die Hersteller und Betreiber hätten deren Bedenken in Hardware, Software, Arbeitsabläufe und somit in Funktionalität und Gebrauchstauglichkeit der Geräte integriert und die Terahertztechnologie so den Bedürfnissen der Bürgerrechtler und Überwachungsgegner nach Achtung ihrer Menschenwürde angenähert. Am Ende bliebe vom Nackscanner nur noch eine Teilautomation des heutigen Sicherheitspersonals im Flughafen übrig. Was dann für die Nutzerakzeptanz ausreichen dürfte – spätestens wenn die Abfertigung am Scannerterminal zügig läuft, während beim Terminal mit manuellem Abtasten und Durchsuchen der Passagiere Wartestaus entstehen.
Allerdings habe sich auch Al-Qaida inzwischen (mindestens) einen der neuen Körperscanner beschafft um – ähnlich wie die Sicherheitsbehörden – dessen Stärken und Schwächen auszutesten und um Strategien der Umgehung der Geräte zu entwickeln, wie eine Amsterdamer Zeitung unter Berufung auf Kreise des niederländischen Militärgeheimdienstes berichtete. Was eigentlich nahe liegt, nachdem man die Geräte ganz normal bei Herstellern wie L-3 Communications kaufen kann.
Erneut kommt also eine „Rüstungsspirale“ in Gang und die nächste Aufrüstungsrunde im Bereich der technischen Überwachung ist so sicher wie das Amen in der Kirche…
Verfasst von Guido Strunck