Nicht alle Kriminellen im Internet sind hinter den Kreditkartendaten ihrer Opfer her oder wollen mit Hilfe von Hackern oder Trojanern in Unternehmensnetze eindringen, um dort Wirtschaftsspionage zu betreiben. Es ist gut möglich, dass viele Cybergangster vom Computern weniger verstehen, als das für solche Vergleiche gern herangezogene Rentnerpaar im Altersheim. Das zeigen die langsam aber stetig zunehmenden Fälle von Cyber-Mobbing und Cyber-Stalking.
Denn für diese Untaten ist reines Anwenderwissen völlig ausreichend. „Getuschel auf dem Schulhof war früher. Heute tragen vor allem Mädchen ihren Psycho-Zoff im Netz aus. Obszönes auf der Pinnwand, Demütigungen im Chat – schon Zwölfjährige sticheln hinterhältig und hemmungslos gegen Mitschüler. Für die Mobbing-Opfer geht oft eine Welt unter“ so führte ein Artikel von Carola Padtberg auf Spiegel Online vor einiger Zeit den Leser in das Thema ein.
Vor allem Jugendliche haben die Möglichkeiten sozialer Netzwerke und Communities im Web 2.0 als Plattform zum Mobben, Dissen und Stalken, kurz also zum Bedrohen und Belästigen ihrer pupertären Widersacher entdeckt. Während Schulhofraufereien aber meist rasch wieder vergessen sind und sich spätestens beim Eingreifen von Aufsichtspersonen, Eltern oder Streitschlichtern regulieren lassen, wurden Opfer von Cyber-Mobbing dadurch bereits in den Selbstmord getrieben. Was inzwischen in Teilen der USA dazu geführt hat, Cyber-Mobbing rechtlich als Straftat einzustufen, für die die Täter schlimmstenfalls zu Tode verurteilt und hingerichtet werden können (ein von pädagogischer Nachsicht geprägtes Jugendstrafrecht gibt es in den USA nicht).
Das Perfide beim Cyber-Mobbing ist seine Allgegenwart für das Opfer. Es kann überall und jederzeit angegriffen werden, auch wenn sich die Gegner auf anderen Kontinenten aufhalten. Das Internet relativiert Entfernungen. Und während Blessuren von Raufereien in der Schule bald wieder verschwinden, bleiben die Schmähungen, Beleidigungen und Verleumdungen im WWW im Prinzip auf ewig dort auffindbar, denn das Internet vergisst nichts. Zudem unterschätzen gerade Jugendliche oft die nachhaltige Wirkung solcher Internetattacken auf das Opfer.
So druckte ein Lehrer aus Nordrhein-Westfalen einmal alle SchülerVZ-Profile seiner Schüler auf Papier aus und hängte sie im Schulflur auf, wie Birgit Kimmel, pädagogische Leiterin der Organisation Klicksafe, die sich gegen Cyber-Mobbing engagiert, als Fallbeispiel berichtet. Die Schüler reagierten empört: Der Lehrer dürfe das nicht, das sei Privatsache. Doch erst diese Aktion des Lehrers, der dazu letztlich nur Informationen aus öffentlich verfügbaren Quellen nutzte, zeigte ihnen auf, wie heikel sowas werden kann. Zumal der Lehrer die Informationen nur ausgedruckt aber nicht verfremdet, verfälscht und dann in anderen Communities weiterverbreitet hat, wie es manche Cyber-Mobber tun. Personenfotos von Gesichtern beispielsweise so in Pornobilder einzumontieren, dass es den Anschein hat als hätte die Person an der dargestellten Sex-Szene teilgenommen, ist für Photoshop- oder Gimp-Anwender kein wirkliches Problem. Und diese Fotomontagen dann in global erreichbare soziale Netze wie Facebook oder Bildablagen wie Flickr hochzuladen, dauert Minuten und erfordert keine besonderen Kenntnisse.
„Den Jugendlichen ist die Öffentlichkeit des Internets gar nicht bewusst“, sagt Kimmel, „ebenso wenig wie die Dimension, die eine Demütigung bekommt.“
Doch die große Welle dürfte erst noch kommen. Denn in selben Maße, wie auch Erwachsene eine beruflich relevante Online-Reputation aufbauen, können auch Angriffe auf eben diese der Karriere der Betroffenen schaden. In Ländern mit schwachem Kündigungsschutz kann es heute schon vorkommen, dass Beschäftigte wegen übler Nachrede und Gerüchten über sie im Internet entlassen werden. Gerüchte die möglicherweise von Cyber-Mobbern und Konkurrenten gestreut wurden. Damit ist das „Brand Busting“ also das gezielte Angreifen von Markenbotschaften durch PR- und unternehmenskritische Aktivisten auch auf der privaten und persönlichen Ebene angekommen. Zumal geschickte Cyber-Mobber nur schwer zu identifizieren und rechtlich zu belangen sind.
Was inzwischen auch zu einer neuen Art von Dienstleistung geführt hat: Der Prüfung und bei Bedarf auch gezielten Aufwertung und Optimierung der eigenen Online-Reputation durch eine ganze Reihe spezieller Datenwachschutz- und Internetsäuberungsfirmen.
[...] This post was mentioned on Twitter by albert de luxembourg, social luxembourg, albertoxic europe, albert duLuxembourg, Guido Strunck and others. Guido Strunck said: Cyber-Mobbing im Internet – der Kampf um die eigene Online-Reputation, http://tinyurl.com/ydwoa6k, #Cyber-Mobbing, #Online-Reputation [...]
[...] Arschgeweih im Internet – von der Langlebigkeit der Daten in sozialen Netzwerken Das Internet vergisst nichts. Was einmal an Informationen hineingeraten ist, ist nur sehr schwer daraus wieder zu entfernen. Je [...]