Dieser Dokumentarfilm greift das Thema Versicherheitsstaatlichung und Abbau der Bürgerrechte in Deutschland auf und stellt die wichtigsten politischen Themen der letzten drei Jahre dazu dar.
Er besteht hauptsächlich aus Interviewausschnitten, in denen Politiker, Experten, Aktivisten und andere aus Sicht der Befürworter oder Gegner zu den „heißen“ Themen digitaler Bürgerrechte Stellung nehmen. Also zu Dingen wie der Online-Durchsuchung, dem BKA-Gesetz, zur Vorratsdatenspeicherung oder Telekommunikationsüberwachung.
So kommen u.a. Politiker wie Wolfgang Bosbach (CDU/CSU), Ralf Göbel (CDU/CSU), Michael Hartmann (SPD), Wolfgang Wieland (Grüne) oder Gisela Piltz (FDP) zu Wort. Ebenso Experten wie Prof. Dr. Andreas Pfitzmann, Constanze Kurz, Peter Schaar und Dr. Thilo Weich oder Aktivisten wie Ricardo Cristof Remmert-Fontes und padeluun vom Foebud e.V.
Ein Interview mit Innenminister Wolfgang Schäuble wäre ebenfalls interessant gewesen, scheiterte jedoch an dessen Unwilligkeit vor die Kamera zu treten und zum Thema Datenschutz und Bürgerrechte Stellung zu nehmen (auch eine Aussage!). Dank YouTube ist aber auch Schäuble mit auf der DVD.
Als Leitfaden durch den Film dient die Geschichte des fiktiven (?) hoffnungsvollen Nachwuchsregisseurs Axel Ranisch, der im Film eben diesen Film mit wenig Geld und viel Motivation zu drehen versucht. Erst nachdem er seine Personalprobleme lösen konnte (woher nimmt man einen Kameramann, der „auf Rückstellung“, also für lau arbeitet?) geht es nach etwa 20 min inhaltlich richtig los. Und auch im Weiteren zeigen die Finanzprobleme des Filmemachers, wie weit das Wissen des Überwachungsstaates und der Datenwirtschaft bereits reichen.
Etwa als er beim Versuch einen Bankkredit zu beantragen, mit der Thematik Rating und Scoring konfrontiert wird („Was sind Scoring-Punkte und warum habe ich nur so wenige?“). Oder als er beim Beantragen von Sozialleistungen nach SGB II (Hartz IV) nicht nur stapelweise Papier mit Anforderungen nach Belegen aller Art mitbekommt. Sondern ihm der ArGe-Mitarbeiter auch noch detailliert zu einzelnen Girokontenbuchungen befragt, nachdem er eine (legale) Kontendatenabfrage nach § 31 AO i.V.m. § 52 SGB II durchgeführt hat.
Nicht nur der Staat sondern auch die Wirtschaft ist hinter unseren Daten her. Und das nicht nur beim Scoring für Bonitätsbestimmung bei Kreditgeschäften. Wie Videoüberwachung, Krankendatendossiers, detektivische Schnüffeleien und andere Skandale der letzten 18 Monate zeigten, herrschen in deutschen Unternehmen bzgl. Datenschutz und Compliance oft Sitten wie in Schurkenstaaten. Nicht umsonst spricht der Chaos Computer Club hier recht deutlich von Datenschlampen, wenn er den Umgang mit Daten seitens Lidl, Telekom, Deutscher Bank und anderen kritisiert.
Als Bonusmaterial sind noch ein begleitender Audiokommentar sowie weitere Interviews zu den Themen Vorratsdatenspeicherung, biometrischer Reisepass und Onlinedurchsuchung enthalten.
Der Film mag als Dokumentation etwas trocken daherkommen. Manches hätte anschaulicher anhand von Beispielen aufbereitet werden können. Und die ersten 20 Minuten Laufzeit kann man folgenlos überspringen. Nichtsdestotrotz ist „Meine Daten und Ich“ ein Werk, dem ich insbesondere den Einsatz im Unterricht der Sekundarstufe oder in Berufsschulen wünsche, um gerade Jugendliche für die Thematik Datenschutz und Bürgerrechte zu sensibilisieren.
Der Film „Meine Daten und Ich – Wenn die Sicherheit die Bürgerrechte bedroht“ ist bei GM Films für 9,95 € erhältlich.
“Meine Daten und ich” – Filmrezension…
[inline:MeineDatenUndIch-Brief-klein.jpg]Eigentlich hatte (kurz nach der Entdeckung) bereits ein Bekannter mit mir vereinbart, den Film “Meine Daten und ich” zu bestellen und nach dem ersten Sichten an mich weiterzugeben. Um so erstaunter war ich, ei…