Gestern habe ich an der Halbtagsveranstaltung „Trends im Testing 2009“ teilgenommen, die von der imbus AG in München veranstaltet wurde. Gegenstand der Veranstaltung waren aktuelle Entwicklungen im Bereich Softwaretest und Testmanagement.
Immer komplexer werdende Softwareentwicklungsprozesse und Systemlandschaften, höhere Qualitätsanforderungen und strengere gesetzliche Vorschriften haben heute mehr denn je unmittelbar gravierende Auswirkungen auf den Testprozess. Das führt zu einer zunehmenden Professionalisierung und Ausdifferenzierung der in diesem Bereich tätigen Experten. Softwaretester, Testautomatisierer und Testmanager sind heute Hightech-Jobs von zunehmender Bedeutung in der Software-Entwicklung.
Rex Black, Präsident des International Software Testing Qualifications Board (ISTQB) sieht in den nächsten Jahren vor allem folgendes auf die Gemeinde der Softwaretester und Testmanager zukommen:
- Wirtschaftlicher Druck macht es zunehmend erforderlich den finanziellen Nutzen von Testverfahren so herauszuarbeiten, dass er auch von Managern verstanden wird. Er schlägt dazu den Einsatz von aussagekräftigen Kennzahlen (KPIs) vor.
- Es wird zunehmend unternehmensübergreifend gearbeitet. Outsourcing und Auftragsarbeit spielen eine wichtiger werdende Rolle. Das erfordert mehr Projektmanagement und Koordination im Testbereich. Auch Tools müssen so ausgelegt sein, dass eine unternehmensübergreifende Projektarbeit unterstützt wird. Der Trend geht hin zu Professionalisierung und Systematisierung.
- Anwendungssysteme werden zunehmend komplexer und ihr Einsatzkontext wichtiger („systems of systems“). Das macht auch Tests aufwendiger. Testmanager benötigen dazu ein breiter werdendes Technologiewissen und Erfahrung im Handling komplexer branchenspezifischer Softwareprojekte. Unternehmensübergreifende IT-Systeme wie Software as a Service, Cloud Computing und Social Software bringen ganz neue Testanforderungen mit sich.
- Der zunehmende Einsatz von Open Source Software bringt die Fragestellung ihrer Qualität mit sich. Die meisten Open Source Produkte unterliegen zwar einem intensiven peer review durch die beteiligten Entwickler, wurden aber meist nie formal getestet. Ihr tatsächliches Qualitätsniveau kann zum Zeitpunkt ihrer Einführung meist nicht wirklich beurteilt werden. Das bringt Unsicherheitsfaktoren mit sich.
- Integrationstest im Umfeld von Legacy-Anwendungen erfordert oft spezielles Legacy-Know-How, das im Markt kaum noch vorhanden ist. Auch unüberlegte Personalabbau- und Frühverrentungsprogramme der Vergangenheit rächen sich nun.
- Softwaretest ist ein Spezialistenthema. Daher wird hier gern und überproportional gekürzt, wenn Sparrunden anstehen.
- Es gibt im Markt eine hohe Zahl an „Amateur-Testern“, was an Testmanager höhere Anforderungen stellt, Arbeitsprozesse zu systematisieren und zu strukturieren. Die Zahl der Amateur-Testern wird durch Outsourcing-Dienstleister in Schwellenländern künftig weiter zunehmen. Umgekehrt sind echte Testprofis und erfahrene Testmanager und –automatisierer knapp und werden es auch bleiben.Hier macht sich das Fehlen einer einschlägigen Ausbildung zunehmend bemerkbar (Softwaretester wird man i.d.R. durch berufliche Praxis und berufsbegleitende Weiterbildung, nicht durch Ausbildung und anschließende Berufstätigkeit).
- Teamentwicklung und Personalentwicklung gewinnt für Testmanager an Bedeutung, schon um ihre eingearbeiteten Teams an guten Spezialisten beisammenzuhalten.
- Zertifizierung ist und bleibt wichtig. Allerdings gilt es genauer hinzuschauen, da vieler Zertifizierungen nicht all zu viel taugen. Als „Goldstandard“ hat sich in Deutschland der „ISTQB certified tester“ etabliert. Insbesondere stark methoden- und technologiezentrierte Zertifizierungen sowie solche ohne formales Prüfverfahren seien kritisch zu bewerten
- Neue Formen der Arbeitsorganisation in der Software-Entwicklung (agile und iterative Methoden, SCRUM etc.) sowie die Anwendung von Vorgehens- und Reifegradmodellen wirken sich auch auf die Organisation und das Management von Softwaretests aus.
- Testen wird zunehmend compliance-relevant. Durchführung und Ergebnisse von Softwaretests müssen aufgrund regulatorischerer Auflagen revisionssicher dokumentiert werden, um so Nachweispflichten erfüllen zu können. Das erfordert Anpassungen der Arbeitsabläufe und ggf. neue Tools.
Alles in allem eine sehr interessante und gehaltreiche Veranstaltung, die ich nur weiter empfehlen kann. Zum Teilaspekt der revisionsfesten Testdokumentation werde ich morgen einen weiteren Artikel schreiben.
[...] Inzwischen sind auch die Vortragsunterlagen zu dieser Veranstaltung (s.a. Artikel „Trends im Testing 2009“ sowie „Revisionssicheres Testen von Software“) zum Download freigegeben. Sie sind auf den [...]
[...] Testing Qualifications Board (ISTQB), in seinem Eröffnungsvortrag auf der Fachveranstaltung Trends im Testing 2009 im München [...]