Sogenanntes „Geistiges Eigentum“ ist schon eine merkwürdige Sache. So merkwürdig, dass man ihm mit dem 26.04. des Jahres sogar einen eigenen Gedenktag gewidmet hat. Einen Tag, den die Verwerterlobby und ihre Lobbyverbände geschickt zur weiteren Infiltration der Politik nutzen.
Dabei fehlt es dem „geistigen Eigentum“ an eigentlich allen Charakteristiken, die echtes Eigentum ausmachen. Man kann es weder stehlen noch verkaufen, es kann weder aufgebraucht werden, noch verdirbt es, dafür kann es zu Nullkosten beliebig oft vervielfältigt werden. Daher ist es bei Bedarf alles andere als knapp, so dass man es erst künstlich verknappen muss, um daraus ein Wirtschaftsgut machen zu können. Diese künstliche Verknappung einer an sich unbegrenzt vorhandenen Ressource zusammen mit der unpassenden Analogie zu echtem (knappen) Eigentum hat zu einem Immaterialgüterrecht geführt, dass voller Skurrilitäten steckt und das vor allem dazu dient, mit Hilfe eigentumsähnlicher Konstrukte wie handelbaren geistigen Monopolrechten Immaterialgüter in Wirtschaftsgüter zu verwandeln. Dies geht soweit, dass die Vertreter der Verwerterlobby sogar Einschränkungen der Bürgerrechte und des Grundgesetzes fordern, um ihre kruden Vorstellungen von „Eigentum“ notfalls auch gegen die Mehrheit der Bevölkerung durchsetzen zu können – wie man an den Diskussionen um Filesharing, Netzzensur und den sog. „Three-Strikes-Regelungen“ in einigen Ländern gut beobachten kann.
Doch das System des „geistigen Eigentums“ kommt immer mehr ins Rutschen. Software, Internet und Globalisierung lassen eine Reihe von Problemen entstehen, die zwangsläufig dazu führen müssten, das System an sich zu überdenken, denn es ist momentan dabei, völlig unbrauchbar zu werden. Das reicht von neuen Abrechnungsmodellen wie z.B. einer Kulturflatrate bis hin zur Open-Access-Bewegung für steuerlich finanzierte wissenschaftliche Forschung (die heute oft genug gesellschaftlich finanziert aber privatwirtschaftlich verwertet wird).
Selbst die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) erkennt inzwischen das Problem. So stellte Francis Gurry, Generaldirektor der WIPO, auf einem Vortrag zum Jahrestag des geistigen Eigentums fest, dass das System unter „tektonischen Spannungen“ steht. Global organisierten Verwertungsprozessen steht ein national organisiertes Immaterialgüterrecht gegenüber. Es besteht daher die Gefahr, dass sich die wirtschaftliche und soziale Ebene so schnell verändert, dass die Anpassung der politischen Architektur nicht mithalten könne, so Gurry.
Globalisierungsdynamik als Hemmnis für das Immaterialgüterrecht?
Hinzu kommt: Es gibt schlichtweg zu viele Ideen. Den Ausführungen des WIPO-Chefs zufolge, schieben die großen Patentbehörden in den USA, der EU und Japan mittlerweile gut 3,5 Mio. Anträge auf staatliche Monopolrechte (Patente) vor sich her. Tendenz steigend.
Passend dazu hat der Landesverband der Piratenpartei Brandenburg eine Anregung veröffentlicht, die ich voll und ganz unterstütze und daher an dieser Stelle dokumentiere:
Wer Ideen liebt lässt sie frei: Zum Welttag des geistigen Eigentums
Am morgigen Sonntag ist der Welttag des geistigen Eigentums. Dieser Tag soll die Wichtigkeit von geistigen Eigentumsrechten herausstreichen. Im Sinne dieses Ereignisses veranstaltet der BDI seine Aktion Ideenliebe, die Kindern den Wert geistigen Eigentums vermitteln soll.
Wir Piraten finden Kreativität und gute Ideen wichtig und wollen diese fördern. Wir glauben aber, dass restriktive Eigentumsrechte der falsche Zugang zur Förderung von Ideen sind. Wir sind nicht die Einzigen, die das so sehen: Tausende Menschen auf der ganzen Welt sehen keinen Sinn darin ihre Ideen und ihre Kreativität in Ketten zu legen, vielmehr sorgen sie für freie Verbreitung.
Ihren großen Durchbruch erlebte die Idee, eigene Werke auch anderen frei zugänglich zu machen, bei Open-Source-Software. Heutzutage nutzen viele Menschen Firefox, OpenOffice, Linux oder Thunderbird. All diese Programme wurden von Menschen geschrieben, die darauf verzichtet haben kleinlich auf jede Kopie Lizenzgebühren zu verlangen. Stattdessen erlaubten sie die freie Verbreitung. Ein Verzeichnis von Open-Source-Software findet sich unter freshmeat.net.
Ein weiteres bekanntes Beispiel für die faire Zugänglichkeit von Wissen ist die Wikipedia. Wer hat nicht schon alles von ihr profitiert. Aber die Wikipedia wäre nie so groß geworden, wenn nicht so viele Menschen zu ihr Inhalte beigetragen hätten. Und es wären nie so viele Teilnehmer geworden, wenn die Wikipedia nicht eine Lizenz gewählt hätte, die die Verbreitung ihrer Inhalte befördert.
Als ‘Wikipedia für Karten’ versteht sich das Projekt OpenStreetMap. Viele Menschen weltweit arbeiten zusammen um eine Weltkarte zu erstellen.
Auch Musik und Filme gibt es, die auf Verbreitung statt auf Fesselung setzen. Jamendo ist eine Plattform, die Musik vieler Künstler bereitstellt. Der private Download ist vollkommen legal. Einen Durchbruch in einem anderen Bereich erzielte die Blender-Foundation, mit ihrem selbst produzierten Animationskurzfilm Elephants Dream. Inzwischen wurde ein weiterer Film produziert, Big Buck Bunny.
Die eingangs genannte Open-Source-Software, setzt auf Lizenzen, die die freie Verbreitung und Weiterentwicklung ermöglichen. Open-Source-Lizenzen sind auf der Seite der Open-Source-Initiative einsehbar. Im Bereich Inhalte neben Software haben sich die Creative-Commons-Lizenzen etabliert. Viele der vorgenannten Beispiele sind unter einer Creative-Commons-Linzenz veröffentlicht.
All das Geschehen um befreites und angekettetes Wissen, Kreativität und Ideen ist im Wissensallmende-Report 2009 ausführlich beschrieben.
So ist unser Wunsch für den Welttag des geistigen Eigentums: Mehr Menschen sollten ihr geistiges Eigentum mit anderen teilen. Was ist Euer Beitrag? Was habt ihr bereits zur Wissensallmende beigetragen? Welche freien Inhalte findet ihr neben den genannten Beispielen erwähnenswert? Teilt uns Eure Meinung mit, die Kommentarfunktion steht zu Eurer Verfügung. Und entlasst morgen zum Tag des geistigen Eigentums einige Ideen, etwas Wissen oder Kreativität in die Freiheit.
Wer Ideen liebt, lässt sie frei!
Heise.de: Das System geistigen Eigentums ist massiv unter Druck