Hacker (im Sinne von Angreifern auf IT-Systeme) lassen sich sehr grob in zwei Kategorien einteilen: „Handwerker“ und „Ingenieure“.
„Handwerker“ bilden die große Masse der möglichen Angreifer auf IT-Systeme. Sie gehen bei einem Angriff in etwa wie folgt vor:
- Sie versuchen herauszubekommen, wie das Zielsystem genau beschaffen ist. Konfiguration, genaue Version des Betriebssystems und aller relevanten Anwendungen, Verbindungen zu anderen Systemen, verwendete Netzwerk- und Kommunikationsprotokolle. Die dabei eingesetzten Methoden können recht vielfältig sein.
- Dann schlagen sie in einer öffentlich verfügbaren Datenbank wie etwa Bugtraq nach, welche bekannten Schwachstellen ein System mit dieser Konfiguration hat.
- Mit Hilfe von parametrisierbaren Exploits, die aus frei verfügbaren Werkzeugsammlungen wie dem Metasploit-Projekt entnommen werden können, wird das Zielsystem angegriffen. Oftmals erfolgreich.
Schematisch erfolgende Angriffe dieser Art sind relativ einfach abzuwehren. Oft reicht es im Wesentlichen, alle Systeme auf aktuellem Patchlevel zu halten, sie bzgl. der Zugriffsrechte und bereitgestellter Dienste und Ports sparsam zu konfigurieren und dazu noch gehärtete Systemplattformen einzusetzen.
Dagegen gehen die „Ingenieure“ unter den Hackern mit beträchtlich mehr Wissen und um einiges individueller vor:
- Sie versuchen herauszubekommen, wie das Zielsystem genau beschaffen ist. Konfiguration, genaue Version des Betriebssystems und aller relevanten Anwendungen, Verbindungen zu anderen Systemen, verwendete Netzwerk- und Kommunikationsprotokolle.
- Dann entwickeln sie eigenen Code, den sie mit selbstgebauten Werkzeugen zunächst auf Testplattformen und später am Zielsystem zum Einsatz bringen, um unbekannte aber für Experten abschätzbare Sicherheitslücken aufzustöbern und auszukundschaften.
- Anschließend verschaffen sie sich Zugang, nehmen alle gewünschten Transaktionen vor (meist möglichst unbemerkter und spurloser Datendiebstahl), hinterlassen ggf. um „Hintertüren“ für späteres Zurückkommen gepatchte Syteme und verschwinden so lautlos wie sie gekommen sind.
Gegen „Ingenieure“ sind standardisierte Vorgehensweisen im IT-Sicherheitsmanagement nur begrenzt wirksam. Sie erschweren ihr Vorgehen, machen es aber nicht unmöglich.
Unternehmen, die ihr IT-Sicherheitsniveau verbessern wollen, beauftragen regelmäßig externe Dienstleister mit der Durchführung von Penetration Tests. Bei solchen Tests wird je nach Auftragsumfang mehr oder weniger gründlich versucht, die Unternehmens-IT auszuspähen und zu hacken. Der Auftraggeber erhält als Ergebnis des Pen-Tests einen Bericht, dem er aufgedeckte Schwachstellen und Ratschläge zu deren Beseitigung entnehmen kann. Oft werden auch Audits und Zertifizierungen zur begleitenden Prozessberatung und Verbesserung des Reifegrads der IT-Sicherheit angeboten. Es ist empfehlenswert, seine sensiblen IT-Systeme regelmäßig einem solchen „Sicherheits-TÜV“ zu unterziehen.
Allerdings orientieren sich Pen-Tester schon aus ökonomischen Gründen am Vorgehen der „Handwerker“. Das kundenindividuelle Programmieren von Exploits ist eher unüblich bzw. würde meist auch nicht bezahlt werden. Außerdem wollen Kundenfirmen ja meist ihr grundsätzliches Sicherheitsniveau anheben und stabilisieren, statt mit hohem finanziellen Aufwand an den letzten Prozentpunkten ihres Sicherheitsniveaus zu feilen.
Gegen „Ingenieure“ helfen gängige Sicherheitsstrategien also ebensowenig wie Pen-Tests zu deren Validierung. Da „Ingenieure“ heute aber meist professionell arbeitende Wirtschaftskriminelle sind, lohnt es sich über deren Motive nachzudenken, um die Wahrscheinlichkeit von Angriffen auf ein konkretes Unternehmen einzuschätzen.
Meist sind sie auf den unbemerkten Diebstahl von Informationen aus, zu deren Beschaffung sie beauftragt wurden (Wirtschaftsspionage). Oder die auf dem Datenschwarzmarkt einen hohen Preis erzielen können (Datenhandel, z.B. Kontodaten). Oder die sich dazu eignen, das angegriffene Unternehmen damit zu erpressen (z.B. durch existenzgefährdenden Reputationsverlust und Regressklagen wenn das Abhandenkommens der Daten bekannt wird).
Hier müssen also Strategien des Risikomanagements und der Prävention zum Einsatz kommen, die über rein technische Maßnahmen hinausreichen. Das kann bei so banalen Dingen wie einer möglichst datenarm organisierten Betriebsinformatik beginnen. Daten, die erst gar nicht erhoben wurden, müssen auch nicht geschützt und gesichert werden.
Für den Rest gilt dann das Pareto-Prinzip, auch 80/20-Prinzip genannt. Die Konzentration auf die „Handwerker“ wird in etwa gut 80% des Maximalbedarfs an Informationssicherheit abdecken und einen brauchbaren IT-Grundschutz auf mittlerem Niveau realisieren. Um auch einen Großteil der „Ingenieure“ abzuwehren, sind weitere Maßnahmen erforderlich. Die jedoch deutlich mehr Kosten verursachen können, als die Umsetzung der Grundschutzprogramme für die ersten 80%.
Verfasst von Guido Strunck