Der gutsortierte Werkzeugkasten jedes Hackers enthält auch Tools zum Wiederherstellen verlorener Passwörter, sog. Password-Cracker oder Password-Recovery-Tools. Besitzt der nach einem Passwort Suchende keine weiteren Informationen über dessen Aufbau so kann er aus verschlüsselten Passwörtern oder Hashes grundsätzlich auf zwei Wegen wieder die Originale zurückgewinnen: Per Brute-Force-Angriff oder mit Hilfe einer Wörterbuchattacke.
Beim Brute-Force-Angriff werden einfach alle möglichen Kombinationen als Passwortlängen und möglicher Zeichen ausprobiert, bis eines passt. Das kann u.U. sehr lange dauern, insbesondere wenn es um sehr lange Passwörter geht, denen ein großer Vorrat zulässiger Zeichen zugrunde liegt. Letztlich entscheiden verfügbare Rechenkapazitäten und die Zeiträume bis zum nächsten Passwortwechsel über die Erfolgschancen eines solchen Angriffs.
Dagegen werden bei einer Wörterbuchattacke die zu testenden Passwörter einer Wörterbuchdatei entnommen, oftmals einer Liste gern genutzer Begriffe wie Personen- und Städtenamen oder dem Abzug eines Lexikons. Selbst Millionen von Begriffen lassen sich mit Hilfe heutiger Rechner in überschaubarer Zeit durchtesten (s.a. Die Grafikkarte als Passwort-Cracker). Wörterbuchangriffe sind demnach auch ein gutes Mittel um die Stärke der verwendeten Passwörter von Benutzeraccounts zu testen. Erzielen sie in einer zu testenden Gruppe von Zugängen mehrere Treffer, wäre über die Passwortrichtlinie (Aufbau und Mindestlänge der zulässigen Passwörter) erneut nachzudenken.
Sébastien Raveau, ein französischer Berater für Informationelle Kriegsführung weist in seinem Blog „Tricks of the Trade“ darauf hin, dass herkömmliche Wortlisten aus klassischen Wörterbüchern und Rechtschreibkorrekturprogrammen viele Alltagswörter, Namen und Begriffe nicht enthalten, die Menschen bei der Wahl von Kennwörtern in den Sinn kommen.
Cracking passwords with Wikipedia, Wiktionary, Wikibooks etc
Anwender wählen gern Begriffe aus ihrer unmittelbaren Umgebung, etwa Produktnamen, Orte oder den Namen eines häufiger genutzten Geschäfts, so der Experte. Allein in der Wikipedia findet man nahezu jedes denkbare Wort, so der Experte. Einige aus Wikipedia extrahierte Wortlisten in diversen Sprachen haben nach seinen Angaben bereits ausgereicht, um „unzählige Passwörter in Windeseile zu knacken, die mit Brute-Forcing nicht zu erreichen gewesen wären“.
Der gängige Tipp, keine Wörter zu verwenden, die etwa im Duden oder in Lexika auftauchen, sollte demnach in den Passwortrichtlinien von Unternehmen deutlich strikter gefasst werden.
So enthält die Wikipedia Umgangssprache, Verballhornungen, Fachterminologie, Produkt- und Firmennamen samt absichtlicher und unabsichtlicher Schreibfehler in Hülle und Fülle. Begriffe die man in dieser Aktualität in keinem gedruckten Lexikon findet. Sich für Passwörter allein auf natürliche Sprache zu verlassen, ist ohnehin eine schlechte Idee.
Raveau führt aber auch zahlreiche andere Wiki- und Web-2.0-basierte Dienste an, aus denen sich Listen für Wörterbuchattacken generieren lassen. Diese kann der Nutzer dann z.B. in frei erhältliche, quelloffene Passwort-Cracker-Tools wie John the Ripper o.ä. importieren und einsetzen.
Gute Kennwörter enthalten eine ausreichend lange Zufallskomponente kombiniert mit Zahlen, Groß- und Kleinschreibung sowie Sonderzeichen. Aufgrund ihrer schwereren Merkbarkeit führen sie aber leider auch oft zu neuen Sicherheitslücken, wie dem fast schon legendären Klebezettel unter der Tastatur.
Wirklich wichtige Informationen sollten daher stets auch mit anderen, nicht allein auf Passwörtern basierenden, Schutzmechanismen geschützt werden.
Verfasst von Guido Strunck