In der Wirtschaftskrise wird mehr aufs Geld geschaut und daran gearbeitet, Kosten zu senken. Beispielsweise was Lizenz- und Supportverträge angeht. Als SAP Ende letzten Jahres eine generelle Erhöhung seiner Supportpreise bei den Kunden durchdrücken wollten, mauerten diese und stellten zahlreiche SAP-Projekte erst mal zurück, so dass SAP am Ende (vorerst) darauf verzichten musste.
Umgekehrt sind nicht wenige Firmen bzgl. ihrer eingesetzten Software unter- oder überlizenziert. Im ersten Fall drohen saftige Strafzahlungen an den Lizenzanbieter, im zweiten wird Geld unnötig zum Fenster rausgeworfen. Hintergrund sind die immer komplizierter und intransparenter werdenden Lizenzbestimmungen, die Softwareanbieter ihren Kunden aufnötigen. In manchen Fällen erreichen diese bereits die Komplexität der Cross-Border-Leasing-Finanzmodelle, mit denen sich zahlreiche deutsche Kommunalverwaltungen verzockt haben.
Da werden mal Benutzer, mal Prozessoren, mal Geräte, mal Instanzen virtualisierter Systeme und so manches andere noch herangezogen, um zu entscheiden, wann eine weitere Teil-, Voll- oder Premiumlizenz eines Produktes zu zählen ist. Es fehlt generell an Einheitlichkeit und Systematik, weil alles frei vereinbar und damit letztlich eine Frage der Marktmacht ist.
Im Arbeitsrecht werden unklare Klauseln in Arbeitsverträgen regelmäßig von den Gerichten verworfen. Auch das Mietrecht und das Verbraucherkaufrecht sorgen durch eingebaute „Hygieneregeln“ dafür, dass Schlamperei und Schlitzohrigkeit beim Abfassen von Verträgen nicht zur Übervorteilung der Vertragspartner genutzt werden können.
Aber in den althergebrachten Grundsätzen des Immaterialgüterrechts ist das anders. Hier hat das Winkeladvokatentum nahezu völlige Narrenfreiheit. So manches Lizenzabkommen sollte man ohne Rechtsabteilung und Prozesskostenversicherung erst gar nicht unterschreiben. Und auch in scheinbar klaren Verträgen, kann gerade das, was nicht drinsteht, später zu Problemen führen.
Und so sichern sich viele Softwarehersteller mittlerweile das Recht zu Audits, d.h. Betriebsprüfungen auf rein privatrechtlicher Grundlage bei ihren Kunden durchzuführen. Und ähnlich wie bei der Steuerprüfung wird dabei häufig was entdeckt. Meist das Lizenzen nicht richtig gezählt wurden und daher teure Vertragsstrafen und Nachlizenzierungen anstehen. Sogar Strafanzeigen kann dies nach sich ziehen, auch wenn dann wohl bald darauf ein Wechsel der betroffenen Software anstehen dürfte.
Die Business Software Alliance (BSA), ein Verband von weltweit tätigen Softwareherstellern, der das Themen Urheberrecht verfolgt, strengt zunehmend entsprechende Prozesse gegen Unternehmen an, die es beim Thema Lizenzmanagement schleifen lassen. Mit Erfolg: Alleine in Deutschland haben Unternehmen 2007 an die BSA mit 2,8 Millionen Euro durch den Einsatz unlizenzierter Software so viel an Schadenersatz und Lizenzkosten bezahlen müssen wie nie zuvor.
Die Zahlen könnten in diesem Jahr weiter steigen – bedingt durch die wirtschaftlich angespannte Lage. So gehen nach einer Studie der britischen Federation Against Software Theft 78% der befragten britischen Manager davon aus, dass die Unternehmen jetzt Kosten einsparen wollen, indem sie beim Thema Softwarelizenzen ein Auge zudrücken.
Doch auch anders herum wird ein Kostenrisiko daraus. Lizenzmanagement ist nach Einschätzung einschlägiger Toolanbieter ein ungeliebtes Thema in den IT-Abteilungen deutscher Unternehmen. Ebenso notwendig wie verhasst, wird es oft auf die lange Bank geschoben. Mit der Folge, dass Jahr für Jahr Millionensummen für überlizenzierte Software zum Fenster hinausgeworfen würden.
Um dem abzuhelfen, greifen Unternehmen zu Lizenzmanagement-Tools, welche den Bestand an installierter Software inventarisieren, mit den vorhandenen Lizenzen abgleichen sowie unternehmensweite Nutzungsanalysen ermöglichen. Auch wenn dabei rasch Fragen des Datenschutzes und der Mitbestimmung (Arbeitnehmerüberwachung) tangiert sein können. Und das ganze Problem zudem überhaupt erst durch die Vielfalt an Lizenzen entsteht.
Eine grundsätzliche Lösung dieses Problems gibt es nicht. Die Lizenzproblematik lässt sich aber auf mehreren Wegen begrenzen.
Zum einen durch ein sorgfältig organisiertes und aufeinander abgestimmtes Lizenz- und Vertragsmanagement. Zum anderen durch den vermehrten Einsatz von Open-Source-Produkten, bei denen die Anzahl der genutzten Installationen sowie die Art und Weise des Gebrauchs lizenzrechtlich keine Rolle spielt.
Letztlich lässt sich so auch auf Softwarehersteller mehr Druck ausüben, zu transparenteren und fairen Lizenzbedingungen zu kommen, in den Bereichen, in denen der Einsatz von Kauflizenz-Software auch weiterhin notwendig ist.
Verfasst von Guido Strunck