Politische Konflikte ziehen immer auch Hackergruppen an, die den Kampf dann im Internet weiterführen. Das bekam auch die internationale, in Deutschland verbotene Neonazi-Gruppierung „Blood and Honour“ („Blut und Ehre“ – Leitspruch der Hitlerjugend) zu spüren. Deren Server wurde linksgerichteten Hackern geknackt und der erbeutete Inhalt – Nutzerkennungen, Foren, Fotos, Adressen etc. – im Internet veröffentlicht und in Tauschbörsen zum Download angeboten. Auch hat der Angriff sogenannte Red-Watch-Listen zu Tage gefördert: Auf diesen Listen sammeln Neonazis Namen, Adressen und andere Informationen über ihre politischen Gegner.
Insgesamt erbeuteten die Hacker, die sich selbst „Daten-Antifa“ nennen, nach eigenen Angaben etwa 32.000 Datensätze der Neonazis. Nach ihren Aussagen sei es den linksgerichteten Computerhackern „in einer aufwendig vorbereiteten Nacht-und-Nebel-Aktion“ und in Zusammenarbeit mit befreundeten Gruppen aus dem In- und Ausland gelungen, sich Zugriff auf den bislang streng abgeschirmten Server des Blood- and-Honour-Netzwerks zu verschaffen, auf den sonst nur Mitglieder mit Passwort Zugriff haben. Zur Veröffentlichung der Daten habe man sich entschlossen, als klar wurde, dass es „Monate dauern würde, diese Datenflut auszuwerten“.
Das Blood-and-Honour-Netzwerk wurde ursprünglich in Großbritannien gegründet, hat sich aber mittlerweile weltweit ausgedehnt. Es dient Neonazis vorwiegend als Plattform zur Organisation von Konzerten von Neonazi-Bands sowie zur Weiterverbreitung rechtsextremen Gedankenguts. Auf ihrer Startseite bezeichnet sich die Organisation als musikbasiertes Widerstandsnetzwerk, das keiner Partei oder politischen Organisation verpflichtet ist.
Günther Hoffmann vom Zentrum Demokratische Kultur sagte der „Frankfurter Rundschau“, die Tragweite dieses Schlags gegen den militanten Rechtsextremismus sei überhaupt noch nicht absehbar: „Jetzt werden einige Leute im rechtsextremen Umfeld, darunter sicher auch Aktivisten der NPD, sehr nervös werden.“
Inzwischen interessieren sich auch staatliche Organe für den spektakulären Hack. Gerd Lang, Sprecher des Thüringer Verfassungsschutzes, sagte dem Sender MDR 1 Radio, seine Behörde sei an den Ergebnissen der Aktion von Neonazi-Gegnern „interessiert“. „Sollten sich die Einschätzungen bewahrheiten, wären die Daten von großem Interesse, um Strukturen aufzuhellen“, sagte Lang.
Es könne auch strafrechtlich relevant sein, wenn jemand in Gruppen aktiv sei, die verboten sind. Als Beweis könnten die Daten allerdings nicht gelten, da sie illegal beschafft wurden.
Frankfurter Rundschau: Hacker knacken weltweites Neonazi-Netz
Indymedia.org: Blood&Honour Forum hacked!
Spiegel.de: Linke Hacker knacken Neonazi-Datenbank
Spiegel.de: Verfassungsschutz interessiert sich für Neonazi-Daten
Verfasst von Guido Strunck
Verfasst von Guido Strunck
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